Keith Haring:
Ninas Buch der kleinen Dinge

Aus dem Englischen von Doris Kutschbach
München: Prestel 2013

www.prestel.de

ISBN 978-3-7913-7155-9
76 S * 14,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Als Nina Y. Clemente 7 Jahre alt wurde (15. Juli 1988), schenkte der Künstler Keith Haring der Tochter seines Künstlerfreundes Francesco Clemente dies Buch. Er gibt ihr Tipps und Anregungen, sich um die kleinen Dinge des Lebens zu kümmern, sie zu sehen, zu suchen, zu gestalten. Dies wundervolle Buch ist das Ergebnis, das wir in einer Neu-Ausgabe nutzen dürfen – auch wenn wir nicht »Nina« heißen.

Das Glück liegt im Kleinen

Zum Zeitpunkt des Buchgeschenks an Nina war Keith Haring 30 Jahre alt, in der Kunstwelt bereits hoch gehandelt, zwei Jahre vor seinem frühen Tod durch seine Aids-Erkrankung. Dies Schicksal passt so gar nicht zu den fröhlichen Zeichnungen, die so einfach scheinen und doch durchdacht sind und einen hohen Wiedererkennungswert haben. Schon allein deshalb lohnt sich die Anschaffung dieses Buches, das etwas kleiner ist als DIN A4, aber groß in seiner Wirkung.
Nach einer »Gebrauchsanweisung« in 4 Punkten, in der Haring noch einmal klarstellt, dass es sich um »kleine Dinge« handeln soll, die für »dich« wichtig sind, gibt er Aufträge und Anregungen der folgenden Art: »Verwende diese 2 Seiten für kleine getrocknete Blätter im Herbst oder kleine Blumen im Sommer. Kein Ungeziefer, bitte.« Da merkt man auch die Art des Humors, der immer etwas mitschwingt. Aber auch eigene Zeichnungen sollen angefertigt werden (Schmetterlinge, Chaos, eine Liste von großen Dingen anlegen, die viel zu groß sind für kleine Dinge usw.).
Es gibt immer wieder Überraschungen und neue Ideen, running gags (Sticker, klein und groß) und am Ende in der Klappe des Umschlags einen Sammelort. Und damit aus dem Buch kein kleines Ding herausfällt, wird alles durch ein Gummiband verschlossen.

 

Neben der Beschäftigung mit einem Künstler und den wirklich witzigen Anweisungen, ist das Buch auch für Erwachsene eine gute Anregung, selbst tätig zu werden – sei es durch das Hineinschlüpfen in die Rolle eines Siebenjährigen, sei es im Anlegen einer ähnlichen Mappe für ein Kind, das solch eine Aufmerksamkeit verdient. Das dürften wohl (fast?) alle Kinder sein.

Kunst im Alltag und im öffentlichen Raum, Kunst zum Anfassen und Nachmachen war eins der Ziele von Keith Haring. Das Buch ist ein gutes Beispiel dafür.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en