Ayano Imai:
Während der Bär schlief ...

Deutsche Textfassung von Renate Raecke
Bargteheide: Minedition 2013

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-173-9
28 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Während seines Mittagsschlafes auf dem dicken Ast des Baumes bekommt der Bär Besuch, besser gesagt: Sein weißer Zylinder erhält diesen, wird von einem Specht als ideale Wohnung ausgesucht. So sehen wir es schon auf dem Deckblatt, das wir – gespiegelt – bald auch in der Geschichte sehen. Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die länger dauert als nur ein halbes Jahr.

Im Winter friert draußen ein, was der Wärme bedarf

Keine große Sache: Bären halten Winterschlaf. Vögel fliegen im Herbst in den Süden, um im Frühjahr zurückzukehren. Ayano Imai macht daraus eine Geschichte voller Zauber und Poesie.
Der Bär ist ein Eigenbrötler. Ihn stört nicht, dass ihn die Menschen meiden. Wer trägt denn auch schon einen weißen Zylinder, den er nicht einmal während seines Mittagsschlafes abnimmt? Diesem Umstand allerdings verdankt er, dass sich nach und nach Vögel bei ihm ausgesprochen wohlfühlen, besser: auf und in seinem Zylinder, der je nach vermehrtem Bedarf um mehrere Stockwerke kräftig wächst und dem Specht Platz bietet, dem Rotkehlchen, einem Wellensittich und diversen anderen Arten, ja, selbst ein Storch findet Gefallen an dem hohen »Turm« und baut sein Nest ganz oben drauf. Aber eines Tages, nach diversen Flugübungen aller Vögel, sind sie einfach fort. Weg. Und der Bär ist wieder allein.

Es wird nicht gesprochen in der Geschichte (wenn man einmal vom Tuscheln der Menschen zu Beginn absieht), zwei kleine Sätze im Selbstgespräch, aber dann am Ende, fast lakonisch, vier Wörter des Spechts: »Da sind wir wieder.«

So einfach die Geschichte, so zauberhaft die Accessoires in den Bildern. Der Wecker hängt wie zwei Spinnen am seiden Faden aus dem Spinnennetz, zwei Pilze werden mit den Socken – in einem hockt eine Maus – zusammen zum Trocknen an die Leine gehängt, aus dem Zylinder wächst ein kleiner Ast, neben der Hängelampe hängt auch ein kleiner Fisch in gleicher Farbe, die fliegenden Vögel gleichen dem gleich großen Flugzeug und auch die Wolken nehmen diese Form so langsam an, aus einem aufgehängten Buch fallen nach und nach die Buchstaben heraus – es gibt sehr viel zu entdecken, obwohl die Bilder sehr leer und sich nur um Weniges zu kümmern scheinen.

Ein stilles, schönes Buch – gerade auch für die Winterzeit auf dem Sofa eingekuschelt in eine Decke oder am prasselnden Feuer im Ofen / Kamin.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en