Janice May Udry & Maurice Sendak:
Mondspringer

Aus dem Englischen von Ebi Naumann
Hamburg: Aladin 2013

www.aladin-verlag.de

ISBN 978-3-8489-0054-1
32 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Unbeschwertes Leben: Während die Eltern miteinander am Küchentisch sitzen und reden, schleichen sich die zwei Mädchen und die zwei Jungen nach draußen, toben noch ein bisschen herum, springen, wollen den Mond fangen oder den Wind, erzählen sich Gespenstergeschichten und schlagen Purzelbaum. Dann ist es aber doch Zeit, ins Bett zu gehen. Ein schöner Tag.

In der Dämmerung

Ein ganz stiller Text. Springt in die kleine Geschichte wie es die Kinder bald darauf machen werden. Noch aber geht nur die Sonne unter, »neigen die Sonnenblumen ihre schweren Köpfe«, bereitet sich die Eule auf ihre Nacht vor, beginnt die Katze ihre erste Runde. Wir lesen auf den beiden Seite mit den farbfreien Seiten. Der Text ist fast eingerahmt von Blumen, von Federn, kleinen Vignetten, lässt auch eine Übersetzung zu, die mehr Platz benötigt als das englische Original. Die Bilder sind seltsam starr, halten einen Moment fest, von dem wir wissen, dass er gleich vorbei sein wird.
Das gleiche Gefühl stellt sich auf den jeweils folgenden Doppelseiten ein, die zwar keinen Text aufweisen, dafür aber farbig gestaltet sind. Sie spielen mit dem Lichteinfall, den Schatten, geben vor, Bewegung festzuhalten, die aber nicht fortgeführt werden wird. Das Bild ist ein Bild. Genau das zeigt Sendak, er gibt nicht vor, dass das Bild ein Film sei.

1959 wurde der sehr poetische Text geschrieben, mehr nachgedichtet als übersetzt von Ebi Naumann, und zeitgleich illustriert. Wenige durchgehende Linien kennzeichnen Sendaks Bilder, er strichelt kurze Linie an kurzer Linie, mal enger, mal mit mehr Raum, auf den Doppelseiten mal mit hellerer Farbe, mal mit dunklerer, Licht und Schatten, geheimnisvoller Raum im Hintergrund, offene Fläche rings um das Haus. Die Blumen, kein Typus ist doppelt, stehen in Reih und Glied wie Fremdkörper am Rand des Weges zum Rasen. Die zum Teil unterschiedlichen Richtungen der Schatten geben vor, dass es mehrere Lichtquellen gäbe.

Maurice Sendak hat sehr früh seinen sehr eigenen Malstil gefunden, den auch schon vier Jahre vor der Veröffentlichung der »Wilden Kerle« nicht jeder Kritiker als »genial« erkannte.

 

 

Anmerkung: Ausschnitte aus dem Original kann man unter
http://browseinside.harpercollinschildrens.com/index.aspx?isbn13=9780060284602
finden.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en