Silke Vry:
Das Augenverwirrbuch – Verrückte Künstlertricks

München: Prestel 2013

www.prestel.de

ISBN 978-3-7913-7138-2
64 S * 16,99 € * ab 06 J

 

 

 

 

Spätestens mit der Entdeckung der Zentral-Perspektive kennen wir die Täuschung. Das Auge ist dabei eher unschuldig, denn es berichtet nur, die Bewertung übernimmt das Gehirn. So ist dieses überzeugt, dass wir auf dem Gehweg vorsichtig sein müssen, denn dort vorn ist ein großer Abgrund – ach nein, das ist ja Malerei auf dem Boden!

Sehen und Wahrnehmung

Nach einer (vielleicht etwas zu langen) Einleitung (die auch am Ende stehen dürfte) findet Silke Vry über 30 Beispiele, bei denen sie immer fragt – und antwortet: «Was sehen die Augen, was sagt das Gehirn?» Die Erklärungen zu den zumeist ganzseitigen Beispielen auf der rechten Seite klären zwar nicht alles auf, aber die Hinweise münden fast immer in der Aufforderung, etwas selbst zu tun. Das kann das Aufsuchen einer bestimmten Internetseite sein, das sind aber auch Basteltipps oder Aufforderungen, etwas nachzustellen.

Die Beispiele sind sehr vielfältig und stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Römische Wandmalereien stehen gegen M. C. Eschers Endlostreppe, Erik Johannsons Fishy Island gegen die schwarz-weißen Bilder der Optical Art von Bridget Riley, Edgar Müllers 3-D-Streetart gegen Pere Borrell del Caos Flucht vor der Kritik.
Immer wieder eingestreut sind kleine Zeichnungen, zum Teil ausgestaltet und dennoch unauffällig: Schmetterling, Käfer, Echse, sowie kleine Skizzen und Bilder, die die Aufforderung zum eigenen Tun unterstützen.

Leider ist das Buch textlastig, vor allem zu Beginn. Lese-ungeübte Kinder werden sich nur die Bilder anschauen und den Versuchen der Erwachsenen, den Text passend dazu vorzulesen, nicht immer mit Geduld begegnen. Wer seinen Kindern also etwas Gutes tun will, der nimmt die Angebote zur eigenen Tätigkeit an und macht mit ihnen Fotos, schneidet, stellt Collagen her, bastelt. Das eigene Gehirn wird man dennoch nicht immer befrieden können. Spätestens bei Positiv-Negativ-Bildern muss das Gehirn sich immer entscheiden, denn beides wahrnehmen kann es nicht.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en