Jürg Amann nach Georg Büchner, Lisbeth Zwerger:
Leonce und Lena

Zürich: Nord-Süd 2013

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-10181-6
60 S * 19,95 € * ab 05 J

 

 

 

 

 Jürg Amann hat Georg Büchners fast zynisches Drama in Form einer Komödie kräftig gekürzt, zusammengestrichen, sodass ein „romantisch-poetisches Liebesmärchen“ in wunderschöner Sprache und Sprüngen blieb. Lisbeth Zwerger entspricht dieser Geschichte mit bearbeiteten Collagen, die sie mit ausgewählten Papieren gestaltet. Eine ungewöhnliche Darbietung eines großen, klassischen Stoffes, nicht nur für Erwachsene.

Vorhang auf!

Wir befinden uns in einem Theater, im Parkett, zweite oder dritte Reihe. Vor uns sitzen ein Mann und eine Frau, beide festlich gekleidet, zwischen ihnen ein Junge und ein Mädchen, die sich zugeneigt sind. Ein riesiger Vorhang aus einem handmarmorierten Papier aus vorwiegend brauner Farbe, das wir schon vom Vorsatz kennen, verschließt noch die Bühne. Dann wird er gehoben, per Hand gerafft, das helle Licht wirft große Schatten. Wir sehen Leonce, wie ihn Georg Büchner in seinem Zweiakter erschuf, allein auf der Bühne. Das Beklagen über den Lebenswandel des Adels wird durch die Kürzung personalisiert auf ihn selbst, seinen Müßiggang, der bekanntlich aller Laster Anfang sei.
Er soll – offensichtlich aus Staatsräson – verheiratet werden mit einer Prinzessin. Sie sei schon unterwegs, damit die Hochzeit, wie von den Königen geplant, stattfinden kann. Doch dazu hat Leonce keine Lust. Mit seinem Diener Valerio entflieht er über Wege und Grenzen bis zum Wirtshaus. Gleiches macht auch Lena mit ihrer Gouvernante (ihre Funktion muss man als Vorleser den Kindern ganz sicher erklären). Und in Art der Shakespeare’schen Verwechslungskomödien finden die beiden letztlich zueinander, weil sie glaubten, sich voneinander entfernen zu müssen.

 

Über die zauberhafte Zeichentechnik von Lisbeth Zwerger muss sicher nicht mehr viel geschrieben werden. Sie stellt hier aber eher die Materialien in den Vordergrund ihrer Collagen, die sie nicht nur schneidet, sondern auch zeichnerisch ausgestaltet und deren Herkunft sie in den bibliographischen Angaben ausdrücklich erwähnt. Neben ihren ganzseitigen Bildern fügt sie noch kleine Zeichnung im Textbereich ein: Blumen, Girlanden, Zelte. Dabei nutzt sie einige mehrfach, hängt einmal einen Vogelkäfig mit an (Leonce mit seinen Selbstzweifeln) und lässt diesen später weg (Leonce wird König, der König will «denken, ungestört denken»).

Herauszuheben ist der Mut von Autor, Illustratorin und Verlag, ein Theaterstück auf diese Art in ein Bilderbuch zu verwandeln und zu veröffentlichen. Wer sich als vorlesender Erwachsener darauf einlässt, muss sich diesem Mut stellen und wird nicht umhin können, auch erklärende Zusätze zu liefern. Den Kindern wird das ganz gewiss nicht schaden.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en