Komako Sakai:
Hannas Nacht

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Frankfurt: Moritz 2013

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-271-4
32 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Hanna ist kleine Schwester und kann nicht schlafen. Die Katze ist auch wach. Wir sind stille Beobachter, wie Hanna diese Nachtzeit verbringt. Das scheint so einfach und ist doch in der Reduktion von Bild und Text so schwierig darzustellen, dass die ganz, ganz kleine Geschichte sofort den Weg vom Auge über das Gehirn zum Herzen findet. Hanna haben wir jedenfalls sofort darin eingeschlossen.

Kleine Geschichte aus der Nacht

Auch wenn es Hannas Nacht ist, so ist es doch auch unsere, denn wir werden zum stillen Mitwisser. Das vielleicht zweijährige Mädchen wacht in der Nacht auf, aber weder ihre Schwester noch ihre Eltern bemerken, dass sie durch das Haus tappst, begleitet von Chiro, der Katze, die bei der Gelegenheit ebenfalls die Toilette / das Katzenklo aufsucht. Ein bisschen Milch für die Katze, ein paar Kirschen für den Mund, ein bisschen gegenseitige Aufmerksamkeit. Und dann kommt die Müdigkeit doch noch wieder.

Komako Sakai zeichnet realistisch exakt – und übermalt dann die Bilder mit dickem Pinselstrich in Blau und Schwarz über ein wenig Gelb und Grau und stumpfem Grün. Dann fügt sie dem breiten Duktus wieder kleine Konturen hinzu. Ein ganz tolles Gefühl für die Übertragung von Beobachtung in das Bild: Die kleine Hanna geht leicht breitbeinig die Treppe herunter, hält sich nebenbei an der Wand fest und lutscht gleichzeitig am Daumen, während die Katze so leichtfüßig und elegant neben ihr die Stufen kaum zu berühren scheint. Oder: Hanna sitzt auf der Toilette mit den breit gespreizten Beinen, die gerade so über die Brille reichen, vor ihr, kaum sichtbar, der kleine Tritt, damit sie überhaupt hinaufkam auf die Toilette.

Die Bilder sind so schmutzig und unordentlich, wie sie ebenso genau die Bewegungen oder Haltungen treffen, dass allein die stark abgerundeten Ecken der Bilder daran erinnern, dass wir hier Bilder anschauen.
Ja, auch kleine Kinder ab zwei Jahren können sich auf den Bildern wiederfinden, haben sie doch bestimmt bereits genau diese Erfahrungen gemacht. Auch wenn keine Katze im Haus ist, so wäre es doch schön, wenn ...
Es ist erstaunlich, wie sich eine Illustratorin derart in die (kleine) Gedankenwelt eines jungen Mädchens hinein versetzen kann, und dennoch das Ganze von außen betrachten und auch noch so auf das Papier bannen kann, dass wir Betrachter das Innenleben der Kleinen verfolgen können.

Wir, das sind nicht nur Erwachsene, das sind auch Kinder im Alter von Hanna. Endlich gibt es ein Buch, in dem sich die Kleinen selbst wieder finden können – ohne jeden Zeigefinger und ohne jeden moralischen Anspruch.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en