O. Henry & Sonja Danowski:
Das Geschenk der Weisen

Aus dem Amerikanischen von Werner Thuswaldner
Bargteheide: Minedition 2013

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-174-6
28 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Eigentlich eine etwas tragische Geschichte, wäre da nicht die Liebe zwischen den beiden jungen Menschen. Zu Weihnachten wollen sie sich je gegenseitig ein Geschenk machen, das sie aber nur mit einem Opfer bezahlen können, das Geschenk sich aber genau auf dieses Opfer bezieht. Sonja Danowski hat wieder solch schöne und realistische Bilder gezeichnet, das genau dieses Verhältnis der beiden Personen zueinander lebendig werden lässt.

Liebe, Opfer, Liebe

William Sydney Porter (1862 bis 1910), der sich O. Henry nannte, schrieb seine Geschichte zu einer Zeit, in der man noch mit 30 Dollar in der Woche einigermaßen, mit 20 Dollar allerdings nur sehr knapp über die Runde kam.
Die ärmliche eingerichtete Wohnung in der amerikanischen Stadt kostet 8 Dollar und verschlingt schon einen gehörigen Teil des Geldes. 1,87 Dollar hat die junge Frau Della Cent für Cent gespart, aber dafür kann man kein Weihnachtsgeschenk kaufen für jemanden, den man liebt und ihm das auch zeigen will. Es muss aber «etwas Feines, Ausgefallenes und Gediegenes» sein, etwas, «das es beinahe wert sein würde, in Jims Besitz zu sein.»
Jim, das ist ihr geliebter Ehemann, wiederum sucht (und findet) genau das Entsprechende für seine Della. Und beide haben nichts, als ihren kostbaren eigenen Besitz für den anderen zu opfern, damit genug Geld für den Kauf vorhanden ist. Man ahnt schon, wie die Geschichte ausgehen wird. Das Wichtigste aber, die Liebe zwischen den beiden, das darf hier ruhig verraten werden, wird sich nicht ändern.

Schade, dass die Geschichte nicht rechtzeitig endet. Die letzte Textseite ist absolut überflüssig.

 

Nicht so jedoch die Bilder, die mit großer Akribie fotorealistisch gezeichnet sind. Unter der Lupe sieht man den feinen Strich und die Sorgfalt, die Sonja Danowski auszeichnen, sehr fein beobachtet und die Stimmung hervorragend eingefangen! Dazu gehört der Lichteinfall, der auf die Gesichter vor allem von Della, aber auch von Jim und von Mme Sofronie Glätte und Sauberkeit zaubert und auch die voll gestopften Zimmer immer noch reinlich aussehen lassen.

Als nette kleine Beigabe wächst auf der linken, der Textseite eine rote Blüte mit grünem, zartem Stängel und länglichen Blättern, im Jugendstil gezeichnet, nach jedem Weiterlesen ein kleines Stück. Wir finden sie auch in dem floralen Muster auf dem Vor- und Nachsatz.

 

Ein sehr empfehlenswertes Buch mit der kleinen Einschränkung zur letzten Textseite. Die muss man ja auch nicht vorlesen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en