Susanne & Stephan Bliemel & Peter Bauer:
Kaspar un de Klabauterkatt

Rostock: Hinstorff 2013

www.hinstorff.de

ISBN 978-3-356-01591-1
48 S * 14,99 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die Geschichte aus der Zeit der Hanse, dem Handel auf der Ostsee, wird mit ungewöhnlichen Lebewesen lebendig: ein Junge, alt genug, um als Schiffsjunge zu arbeiten, eine Katze, die sich nach dem Goldenen Land des Sushi sehnt, eine Möwe, die zu Beginn und am Ende gute Dienste leistet. Die Geschichte wird lebendig durch sehr liebevolle Illustrationen und durch eine Sprache, die schwierig zu lesen und ebenso schwierig zu verstehen ist – es sei denn, man ist mit dem Rostocker Platt aufgewachsen.

Sushi – Suschinit – Succinit

Dass die herrlichen Bilder nicht nur ein wenig an die aus dem Liederbuch von Tomi Ungerer erinnern, ist ein echtes Qualitätskriterium. Sie bilden – sehr genau beobachtet – das Hanseschiff ab, den kleinen Kaspar, der endlich mit seinen 10 Jahren Schiffsjunge werden darf, die Möwe Ridibundus und besonders die kleine Katze Käthe, die später den Klabautermann spielen darf und die Fast-Katstrophe der Rückfahrt von Reval nach Rostock letztlich verhinderte.

Wir befinden uns in der Mitte des 14. Jahrhunderts, die alte Landkarte bald am Anfang der Geschichte zeigt uns die Ostsee und die Anrainerstaaten als Ort der Handlung – in denen die Orte jedoch »politisch korrekte« Namen tragen (Kaliningrad, Gdansk, Szczecin – einige mit deutschen Namen in Klammern ergänzt). Eine Schiffsladung soll mit der Kogge von Kapitän Quast durch die Ostsee nach Reval (Tallinn) gebracht werden. Der Sohn des Kapteins darf zum ersten Mal als Teil der Mannschaft mitfahren. Ihm unterliegen die einfachen Arbeiten: Aufräumen, Bereitlegen, Putzen, Suchen, Helfen. Immerhin hat er das Privileg einer Kajüte, denn er darf neben der Gastkajüte für den »Schewalljee« (aus dem Französischen eingenorddeutscht für »Ritter«) bei seinem Vater in der Kapitänskajüte schlafen. Die Ladung wird gelöscht und die Rückfahrt wird für die »Klabauterkatze« dank des kleinen Fässchens, in dem sie rohen Fisch = Sushi vermutet, sehr zufriedenstellend, für die anderen aber eher böse. »Likedeelers«, Piraten also, überfallen das Schiff und stehlen die Ladung. Das Schiff selbst hätten sie wohl auch gern, aber ... Ein bisschen muss man schon selbst lesen, auch wenn es nicht ganz einfach ist. Denn:

Der Text ist zwar offensichtlich in Hochdeutsch geschrieben, dann aber in Rostocker Platt übersetzt worden. Das liest sich ganz »kommod«, zumal am breiten Korrekturrand häufig »Vokabeln« erklärt werden, erfordert aber die ganze Aufmerksamkeit und wird (selten, aber immerhin) erst deutlich, wenn man den Text laut (vor-) liest. Die Erklärung reicht nicht immer aus, mehrmals ist sie sogar doppelt, während andere Textstellen sich eher (nur) aus dem Zusammenhang erklären.

Das führt zu der Frage, für wen das Buch geschrieben und verlegt wurde. Ganz klar: Die örtliche Sprache, die oft als »Platt« bezeichnet wird, sollte nicht verschwinden. Aber es ist eine Sprache, oft ohne wirkliche eigene Grammatik oder gar einen universitären Überbau, und ein Buch mit derart viel Text erfordert per se schon einmal eine Leseperson, die nicht Leseanfänger ist. Das wiederum ist die erste Zielgruppe für Bilderbücher, die – vorgelesen – einen entsprechend kurzen Textanteil haben müssen, damit die Bilder dem Text standhalten. Fünf Minuten für ein Bild sind allerdings deutlich zu viel.

Insofern fällt die Beurteilung für dieses Buch vielschichtig aus: Wer sich als Erwachsener damit ‚beschäftigen‘ mag, der wird gewiss nicht enttäuscht werden und viel Freude daran finden. Wer allerdings meint, die Sprache bei Kindern lebendig zu halten, wird eher scheitern. Wer beides miteinander verbindet – kurz auf hochdeutsch oder (falls man selbst es beherrscht) auf »Platt« erzählen (!) mag, der wird auch seinen Kindern oder Enkeln mit den erzählenden Bildern viel Freude bereiten.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en