Nikolaus Heidelbach & Hans-Joachim Gelberg:
Märchen aus aller Welt

Weinheim: Beltz & Gelberg 2010

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-79973-9
382 S * 19,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Im opulenten Märchenband werden über 60 Märchen – fast alle aus Europa und viele auch in deutscher Fassung bekannt – erzählt und mit sehr vielen sehr markanten und geschmacksbildenden Illustrationen lebendig. Neben den Märchen der Brüder Grimm oder denen von H. C. Andersen (die beide in gleicher Ausstattung erschienen) ist das nun der dritte Märchenband, der in keiner Bibliothek und nur in wenigen Haushalten fehlen sollte.

DREI

Märchen beantworten merkwürdige Fragen, hier durch die kluge Tochter des dummen Bruders. Wir erfahren somit ebenfalls, was das Schwerste, das Schnellste, das Notwendigste ist und belohnen den Prüfling. Hier aber stellt sich die Frage, was denn der beste Zeichner zum Lohn erhalten soll. Eine lediglich positive Rezension ist gewiss nicht angemessen, aber was mehr kann ein Rezensent bieten? Es gibt keine Prinzessin zu vermitteln, zumal nicht bekannt ist, ob Nikolaus Heidelbach nicht vielleicht verheiratet ist und was seine Frau wohl zu einem solchen Lohn sagen würde. Märchenhaften Lohn verdient hat er allemal.

Die Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert. Ihnen fehlt zumeist ein Hintergrund, allein die Hauptfigur ist fast fotorealistisch gestaltet, die Ränder der Flächen mit dünnem schwarzen Strich betont. Die Personen haben echte Charakterköpfe, markante Nasen und ungewöhnliche Frisuren, sind wenig lieblich und vorzugsweise eher verschlagen, hinterlistig und etwas dümmlich, die Nasen sind groß, stark und nicht selten krumm. Die Tierbilder stehen diesen Aussagen in nichts nach: Das Schweinchen lässt jede ausstrahlende Intelligenz vermissen, der Rabenvogel in der Pose des Adlers ist eher lächerlich, das Maul des Ungeheuers zwar furchterregend, aber der Ritter mit dem angespitzten Bleistift als Lanze vor ihm karikiert die Situation.

 

Hans-Joachim Gelberg hat die über 60 Märchen ausgewählt, die zwar »aus aller Welt« sind, die uns aber oft bekannt vorkommen. Der kleine Schalk, den einige Märchen am Ende mitführen, erhält hier mehrfach eine Chance, die Moral nicht gar zu ernst zu nehmen: »Die Geschichte ist zu Ende und ein Viertelpfund Seife kostet vier Cent.« oder »Seine Tochter verdiente das, es geschah ihr recht.« oder »Und das erzählte mir ein alter Indianer. In seinem Land geschah es.«

 

Das ist der dritte Märchenband nach »Grimm« und »Andersen«, den Heidelbach für den Beltz-Verlag illustrierte, und wenn das kein Grund für ein weiteres Märchen ist, dann könnten nur noch sieben Aufgaben folgen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en