Lorenz Pauli & Kathrin Schärer:
Das Beste überhaupt - Meerschwein sein

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2013

www.ofv.ch

ISBN 978-3-7152-0666-0
32 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Wie bei den Menschen, so bei den Meerschweinchen. Im jährlichen Wettbewerb wird wieder das beste Meerschweinchen gesucht. Gloss kann ganz weit springen, Pfulme kennt Abkürzungen und Litze ist extrem mutig. Und Miro? Miro ist so etwas von mittelmäßig, dass man das – und ihn selbst – kaum bemerkt. Kathrin Schärer zeichnet Meerschweinchen so herrlich, dass man selbst nur einen Fehler entdeckt: Man selbst ist keins und gehört nicht dazu.

Erster, Bester, Primus

Der Vorspann wird mit einbezogen in die Geschichte. Knapp 100 individuell gezeichnete Meerschweine bevölkern die Doppelseite als gesellige Wesen, machen Faxen, kuscheln, schauen oder starren sich an, spielen Theater, beschnuppern sich. Man mag schon gar nicht umblättern vor lauter Neu-Entdeckungen, aber auch auf der nächsten Seite bevölkern Meerschweine den Schmutztitel – und keins ist wie das andere. Irgendeiner von denen mag auch Miro sein, aber der sieht so gewöhnlich aus, wie ein Meerschweinchen eben gewöhnlich aussehen mag, nichts Besonderes: nicht klein, nicht groß, nicht schnell, kann pfeifen, aber keine ganzen Lieder, kann zählen, aber nicht gut. Miro ist einfach » nur mittendrin«.
Und beinahe hätte Miro sogar den wichtigsten Tag des Jahres verpasst, nämlich die Wahl zum »besten Meerschwein überhaupt«, ein Titel, der für ein ganzes Jahr gilt und den ganz sicher jedes Kind, äh, jedes Meerschweinchen besitzen möchte.
Miro aber ist so mittelmäßig, dass ihn nicht einmal jemand an den Termin erinnert hat. Gut, dass niemand Brotkrümel verstreute, sondern dass Meerschweinchen überall ihre »Böhnchen« hinterlassen. Miro holt also die Gruppe ein. So ist er zur Stelle, als seine Hilfe gebraucht wird, weil der beste Weitspringer sich verletzte, die Überquerung des Baches nur gelingt, weil sich alle der Gruppe gegenseitig unterstützen, man nur durch das Gebüsch kommt, wenn jemand die Zweige auseinanderhält usw.

Ein Lob auf die Mittelmäßigkeit singt und zeichnet das Gespann Pauli & Schärer und sie strafen sich selbst zugleich der Lüge, denn was man über das Buch, die Geschichte und vor allem auch den Bildern gewiss NICHT vorwerfen kann, ist, MITTELMÄSSIG zu sein. Es ist im Gegenteil wieder ein ganz großer Wurf, der den ganzen Shows (vor allem) der privaten Fernsehsender eine lange Nase dreht, wo bereits kleine Kinder getrimmt werden, der beste Nachahmer von Michael Jackson zu sein oder die beste Sängerin, die die Charts anführen muss, das beste Model oder der beste Designer. Egal, Hauptsache: BESTER SEIN.

 

Hier nun, in dieser Geschichte, finden wir selbst uns wieder, denn du heißt bestimmt Miro und ich auch, und der Junge dort hinten ebenfalls und das Mädchen, das gerade um die Ecke kommt, auch. Und das ist überhaupt und gar nicht schlimm, im Gegenteil. Wichtig sind ganz andere Eigenschaften. Was schreibt Lorenz Pauli gegen Ende als Wunsch von Miro? »Ich will das Beste überhaupt: Ich will mittendrin sein.«

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en