Werner Thuswaldner & Jakob Kirchmayr:
Klein ist schön – Der Zwerg und der Riese

Bargteheide: Minedition 2013

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-161-6
28 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Zwerg Gromi freut sich, dass endlich einmal jemand erkannt hat, dass Klein schön ist – und das auch noch passend zu seinem Geburtstag! Das Transparent hinter dem kleinen Doppeldeckerflugzeug zeigt es deutlich: «Small is beautiful» heißt es dort. Doch was die Freude für den einen, ist die psychologische Vernichtung für den anderen. Das findet jedenfalls Gromis Freund Schwertzacke, denn der ist ein Riese.

Des einen Freud, ...

«Schön ist ja wohl ganz anders!», sagte die 4-jährige Mira, als sie die ersten Bilder sah und dazu den Text hörte. «Gromi hat ja riesige Segelohren!» In der Tat hat Jakob Kirchmayr den Text wunderbar karikiert. Seine beiden Hauptgestalten Gromi und Schwertzacke sind richtig hässlich (wenn auch sehr sympathisch), und das nicht nur, weil der Illustrator seine Bilder «herrlich unordentlich» zeichnet. Seine Linien sind eher Krakeluren, seine Farben überschneiden sich oder verlaufen, kümmern sich nur bedingt um die Ränder. Sein Zwerg hat nicht nur Segelohren, sie sind auch noch extrem groß, ebenso wie seine Nase mit dem kleinen Höcker und erst recht die Hände und Füße. Die Haare stehen kreuz und quer vom Kopf ab. Er ist wirklich, wie es sein Name schon andeutet, sehr «grob». Der Zwerg selbst sieht sich allerdings im Spiegel ganz anders, er ist mehr als zufrieden mit seinem Aussehen und konstatiert, dass das endlich auch mal jemand ausspricht – und das auch noch so öffentlich und dann auch noch zu seinem Geburtstag!
Sein grobschlächtiger Freund, der Riese mit den stoppeligen kurzen roten Haaren am Kopf und Kinn, sieht allerdings auch nicht besser aus, verstärkt durch seine Schippe, dem nach unten gezogenen Mund mit der vorgestülpten Oberlippe. Kein Wunder, hat er doch auch das Plakat gesehen und ist nun todtraurig. Und – wie auch Gromi – ist er der Meinung, dieser Satz müsse von einem Philosophen stammen, und diese Menschen sind nun einmal ganz schlau. Sein Freund, der Zwerg ist allerdings noch schlauer, denn er kann die Situation retten, sodass der lustigen Geburtstagsfeier mit der selbst gemachten Musik nichts mehr im Wege steht.

 

Ein menschliches Verhalten wird hier thematisiert, das auch Kindern ab drei oder sogar schon ab zwei Jahren bekannt ist: Neid. Und falsche Selbsteinschätzung. Neu dürfte es für die Kleinen sein, dass man nicht schadenfroh sein muss, sondern dass die Situation auch ganz anders gelöst werden kann, gelöst werden muss, will man sich anschließend mit seinem Freund immer noch verstehen. Das Nachmachen dürfte nicht ganz einfach sein, aber ein Beispiel kennen wir jetzt schon. Immerhin.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en