Rutu Modan:
Ketchup für die Königin

Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
München: Kunstmann 2013

www.kunstmann.de

ISBN 978-3-88897-872-2
32 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Nina hat keine Tischmanieren. Die vielen Ermahnungen ihrer Eltern lässt sie über sich ergehen: Mund zu! Nicht mit den Händen essen! Sitz gerade! Kippel nicht! Nicht mit vollem Mund sprechen! Füttere nicht den Hund am Tisch! Frage: Ja, warum denn nicht? Antwort: Du könntest doch von der Königin zum Essen eingeladen werden ... Da klingelt es an der Haustür.

Plötzlich wahr

Eltern machen schon manche Merkwürdigkeiten, um ihren Anweisungen einen Hauch von Legitimität zu geben. Aber was ist, so denkt die Autorin und Illustratorin Rutu Modan aus Tel Aviv, Israel, weiter, wenn sich die eigentlich völlig absurden Hinweise als wahr erweisen sollten? In der Tat steht nämlich ein königlicher Bote mit Fanfare und gerollter Botschaft in Beefeater-Kleidung vor der Tür, bläst und verkündet die Einladung: Nina möge zum Festmahl bei der britischen Königin im Buckingham Palast erscheinen, ein Flugzeug warte bereits im Garten. So bleibt nicht einmal Zeit für Nina, sich wenigstens ihr schönes Kleid anzuziehen und Papa kann nur eben noch den Rat rufen, sich bei der Königin zu bedanken. Wie es dann weitergeht, ist vorhersehbar, aber dennoch sehr schön und schlüssig im Text wie im Bild erzählt.  

Die Bilder sind rechteckig im Comic-Stil angeordnet, in unterschiedlichen Größen und mit weißem Rand, die Personen sprechen durch Sprechblasen, Erzählphasen werden rechteckig eingeblendet, der Hintergrund ist oft einfarbig, sehr gern hellblau, damit die Person deutlich in den Vordergrund gerückt wird. Aber auch farbneutrale Teile geben einen Hintergrund, auf dem die farbig gestalteten Personen sich gut abheben. Geräusche werden als Text eingeblendet (Ding Dong! Tschingderassabum!) und die Personen mit schwarzen Linien auf klaren Farben. Besonders witzig erscheint der «missmutige Admiral» neben Nina am Bankett, löst er doch das große Chaos irgendwie aus und verschiebt danach sogar sein Monokel-Auge (merkwürdigerweise ohne die einäugige Brille) von links auf die rechte Seite.

Die herrliche Geschichte hinterfragt Anweisungen der Eltern, mögen sie auch noch so sinnvoll sein, und denkt zu Ende, was leicht dahin gesagt ist. Außerdem stärkt sie die Position der Kinder, und das allein ist schon mal ein Wert, den es zu verfolgen gilt – auch, wenn Ketchup in der roten Flasche einer US-amerikanischen Firma dem Vernehmen nach nicht besonders gesund sein soll und Nudeln mit Gorgonzola-Käse sowieso besser schmecken. Aber kann man den auch direkt in den Mund schütten?

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en