Brüder Grimm & Christian Hager:
Der Froschkönig

Zürich: Nord-Süd 2013

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-10157-1
28 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die junge Prinzessin verspricht leichtfertig, den Frosch als Spielgefährten aufzunehmen, wenn er ihr doch nur die goldene Lieblingskugel aus dem tiefen Brunnen wieder heraufholt. Davon will sie allerdings anschließend nichts mehr wissen, doch ihr Vater zwingt sie, ihr Versprechen zu halten. Warum der verzauberte Prinz allerdings seine Gestalt wieder erhält, nachdem er mit Wucht gegen die Wand geworfen wurde, ist auch hier nicht gelöst.

Muss man Versprechen halten? Immer?

Christian Hager nimmt wohl den grünen Frosch zum Anlass, um die Königstochter mit einem (stumpf-) rotem Kleid zu zeichnen. Es hat lange Ärmel mit einem Puff in Ellenborgenhöhe und im runden Ausschnitt einen Schlitz: Wir haben eine junge und schlanke Frau vor uns. Das goldene Krönchen sitzt ein wenig keck auf ihren dunklen fast Schulter langen Haaren, die in der Mitte gescheitelt sind. Ihr Lieblingsort ist der Brunnen, der hier hinten mit einem wuchtigen Schild begrenzt ist und einen großen Froschkopf zeigt, aus dessen geöffneten Maul ein kräftiger Wasserstrahl sich in die Öffnung ergießt. An Rand eines der schweren Quadersteine ist ein Schlüssel gezeichnet, weiter unten ist der Buchstabe G eingraviert, den wir – verdoppelt – kurze Zeit später in Höhe des Wasserspiegels tief im Brunnen wiedersehen: eine Hommage an die Brüder Grimm.
Die Prinzessin sitzt «wie hingegossen» auf der Brüstung, bevor sie selbst, einige Schnecken und Käfer sowie eine Amsel erschrocken der herunterfallenden Kugel hinterher blicken.

Die Grundfarbe der Bilder ist ein blasses Grün, auf dem sich das Kleid der Prinzessin deutlich abhebt. Die Figuren draußen werfen einen grauen Schatten, die tief stehende Sonne scheint gemildert durch das Blätterdach – bis dass der Frosch seinen Lohn einfordert: eine friedliche Szenerie, Christian Hager versteht sein Handwerk.

Umso unverständlicher sind drei Dinge, die etwas unangenehm auffallen: Schilfgras inmitten eines Waldes ist wohl eher ungewöhnlich, die Lippen der Prinzessin sehen fast aus, als wären sie mit Botox behandelt und die Zähne sind nicht wohl unterschieden, sondern ähneln einer «Kauplatte».

 

Davon abgesehen ist die Geschichte stimmig aufgeteilt in 12 gezeichnete Szenen und auf Doppelseiten gedruckt, der Text in die Bilder integriert. Besonders hervorgehoben ist die fast nur im Nebensatz erwähnte Verzauberung des Prinzen in den Frosch: Wir sehen den mächtigen Arm der Hexe mit der rechtwinklig nach unten geknickten Hand mit den vielen goldenen Schmuckstücken und den schwarz lackierten Fingernägeln. Der Zeigefinger deutet auf den Frosch, der inmitten einer kleinen Krone sitzt, die wohl eben noch den Kopf des Prinzen zierte. Gut, dass sie ihm nach der Rück-Verzauberung wieder auf dem Kopf sitzt und seine langen blonden Haare halten.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en