Anna Czerwinska-Ryoel & Marta Ignerska:
Die Ton-Angeber

Aus dem Polnischen von Dr. Olaf Kühl
München: Mixtvision 2013

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-939435-82-2
44 S * 14,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Das etwas andere Bilderbuch stellt die Instrumente eines Orchesters vor, indem es sie leben lässt, ihnen Gefühle zuschreibt, ohne dass die Menschen dabei vergessen werden – jedenfalls gilt das für die Bilder. Die allerdings reduzieren sich auf die Farben Schwarz und Weiß, grelles Orange und leuchtendes Pink. Da schaut man erst einmal wieder weg vom Titelbild, dann aber doch neugierig hinein ins Buch. Mutig!

Angeber

Diese knalligen zwei Farben, «kreischig» und mutig gegeneinandergesetzt sind die eine Anforderung an unsere Sehgewohnheiten, die zweite sind die Personen, die die Instrumente des Orchesters bedienen. Sie könnten eine Hommage an den Futurismus und Kubismus aber auch des Primitivismus der Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein. Die Gesichtsteile verrücken sich, schweben, drücken übertrieben Gefühle aus, damit man sie auch wirklich wahrnimmt. Sie möchten «den Ton angeben», aber den gibt die Oboe zunächst für die erste Geige, die den Ton weitergibt, sodass am Ende der Ton für das gesamte Orchester gilt. Ohne dies Einstimmen wäre die Musik wahrscheinlich genau so, wie wir sie beim Einstimmen von den verschiedenen Instrumenten hören, eine jeder nur auf sich und seine Stimmung konzentriert, so völlig wirr und durcheinander also, wie Marta Ignerska das Orchester zeichnet, kurz bevor der Dirigent hereinkommt und die Sache in die Hand nimmt. Man kann sich vorstellen, was die Farben machen.

 

Auf dem Titelbild sehen wir einen Posaunisten, Orange auf Schwarz. Aus dem Schallloch kommt ein pinkfarbener, breiter werdender Strahl. Der Musiker hat die Figur eines «Preisboxers», die muskulösen Oberarme und der Hals, ebenso breit wie der Kopf, lassen das vermuten. Die Wangen sind stark aufgeblasen, unter dem Hut mit der Krempe bedeckt eine schwarze Brille die Augen. Wir vermuten: Jazz, vielleicht Ska, auf keinen Fall Symphonie-Orchester. So kann man sich also täuschen.

Das ist zwar humorvoll, aber nicht gerade verkaufsfördernd gedacht. Wer dennoch zum Buch greift, wird es allerdings nicht bedauern.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en