Quint Buchholz:
Im Land der Bücher

München: Hanser 2013

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-24320-0
56 S * 12,90 € * ab 10 J

 

 

 

 

Quint Buchholz interpretiert einen Satz von Fernando Pessoa: «Lesen heißt durch fremde Hand träumen.», indem er 24 Menschen mit, in und für Bücher leben lässt. Er gibt ihnen jeweils einen kurzen Satz mit und interpretiert diesen wiederum durch eine Szene im Bild. Eine großartige Hommage an das Buch und an das Lesen.

Lesen = Fantasie erlauben

Unnachahmliche Bilder voller Träume und doch fast realistisch fertigt Quint Buchholz an. Er benutzt eine Drucktechnik, bedient sich virtuos des Siebdrucks, ist dabei außerordentlich exakt und lässt dennoch durch eine grobe Körnigkeit die Linien verschwimmen. Seine Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert, der nicht zuletzt für viele Buch-Titelbilder genutzt wird.
Hier benutzt er die Bücher, um die Welt in vielen Facetten darzustellen. Seine Personen (15 männlich, 9 weiblich) werden nur mit unbestimmtem Artikel angesprochen, damit sich jeder Leser selbst zuordnen kann, und er setzt kein Satzschlusszeichen: «Eine fühlt ihr Herz gern heftig schlagen» oder «Einer liest mit großer Langsamkeit».

Das sind je hoch konzentrierte Texte, die zeigen, was diese kleinen schwarzen Zeichen bewirken können. Da denkt sich einer etwas aus und setzt es auf Papier. Wir lernen ihn wahrscheinlich nie kennen, wir werden seine Stimme nicht hören, wir wissen vielleicht gar nichts von ihm. Aber diese Schrift kommt eventuell über eine große Entfernung zu uns, und wir können sie nicht nur entziffern, sie spricht zu uns und weckt auch noch unsere Fantasie, vermischt sich mit unseren eigenen Erfahrungen. Aus fast Nichts entsteht eine eigene Welt.

Mit dieser Situation spielt der Autor nicht nur, er setzt mit seinen Illustrationen noch eine Dimension hinzu, denn er bebildert zwar seine kurzen Sätze, aber er fügt ihnen noch viel Eigenes hinzu. Das ist ungewöhnlich, wenn Autor und Illustrator die gleiche Person ist, aber hier dennoch sehr gelungen.

Bleiben zum Schluss noch wir. Das müssen schon Menschen sein, die (eigene) Leseerfahrung vorweisen können, typische Bilderbuchkinder ab vielleicht drei Jahren können damit wenig anfangen. Wer rechten Gewinn haben möchte, wird wohl mindestens jugendlich sein müssen und Gernleser. Die jüngeren werden die Bilder unter anderen Gesichtspunkten lieben müssen. Das geht allerdings auch.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en