Jorge Bucay & Gusti:
Wie der König seinen Feind verlor

Aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach
Frankfurt: Fischer KJB 2013

www.fischerverlage.de

ISBN 978-3-596-85596-4
52 S * 14,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Beliebt und geachtet wird man nicht, indem man seine Macht erweitert und festigt. Das lernt in dieser Geschichte der König, obwohl er doch schon jetzt der mächtigste Mensch in seinem Königreich ist. Gerade den, der wirklich „beliebt und geachtet“ ist, will er durch eine List vernichten, damit dessen Ansehen auf ihn übergehe. Das kann natürlich nicht funktionieren.

Backe hinhalten, auch die zweite

Wie es einem großen König gebührt, zeichnet ihn der argentinische Illustrator, der sich Gusti nennt und in Spanien lebt, mit einem mächtigen Körper, zu dem der kleine Kopf und die noch kleinere Hand nicht so recht gehören wollen. Zum Zeichen der Würde trägt sein König einen großen Kragen aus Hermelinfell (mit roten Punkten) sowie eine Halskrause und eine zaristische Krone. Sein Gesicht ziert ein gezwirbelter Schnurrbart und wird durch eine große Hakennase dominiert, die immer ein bisschen gerötet ist. Witzigerweise trägt er immer einen kleinen Teddybären mit weißer Halskrause und kleiner goldener Krone mit sich herum, karikiert sich damit selbst.

Für die Bilder ist „Zeichnen“ kein ganz richtiger Ausdruck, denn Gusti benutzt vor allem Papierteile, die er entweder selbst gestaltete oder aus gefundenen Bildern ausschnitt, um daraus Collagen herzustellen, die er wiederum mit möglichst wenigem Pinsel- oder Stiftstrich ergänzte. Oftmals stellt er diese Collagen auf weißes Papier und schafft nur einen geringen räumlichen Eindruck, indem er hier und da einen Schatten hinzufügt oder die Größenverhältnisse anpasst. Seltener verwendet er eine andere Technik, die er der Dramatik der Geschichte anpasst. So «malt» er bei der List des Königs ein Bild mit schwarzer Wasserfarbe, die Figuren allerdings so, als wären sie Teile von Marionetten-Figuren ohne Fäden.

Die Geschichte auch dem Grunde nach zu erzählen, würde ihr hier vielleicht den Reiz nehmen. So viel darf allerdings verraten werden. Die List des Königs wird mit einer Gegenlist des weisen und ansonsten so beliebten Manns unwirksam und führt – ohne den pädagogischen Finger zu zeigen – zu einer tieferen Einsicht des Königs, dem wir uns gern anschließen können. Da bedarf es gar nicht des Briefes, den er am Ende des Buches an seinen Sohn (und somit auch an uns) schreibt, damit wir die Wirkung noch einmal vor Augen haben. Stephen Stills schrieb, sicher etwas plakativer, 1970 das Lied «If you can’t be with the one you love, love the one you’re with» und kann im übertragenen Sinn durchaus hier ebenso zitiert werden wie die Feindesliebe bei Matthäus. Hier jedoch wird der Sachverhalt so einfach und einleuchtend dargeboten, dass wir ihn – auch als 4-Jähriger – gut nachvollziehen können. Im besten Fall werden wir ihn auch nachleben.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en