Maurice Sendak:
Kennys Fenster

Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Hamburg: Aladin 2013

www.aladin-verlag.de

ISBN 978-3-8489-2015-0
64 S * 14,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

«Kenny’s Window» ist Sendaks erstes Bilderbuch, es erschien im Original bereits 1956. Die Bilder sind dementsprechend etwas «nostalgisch», die Texte aber haben nichts an Modernität eingebüßt. Es sind sieben – wir würden heute sagen – philosophische Fragen, die jeweils in einer kurzen Geschichte beantwortet werden, alle eingebettet in eine Traumgeschichte eines kleinen Jungen.

Gibt es einen Hahn mit vier Beinen?

Erstaunlicherweise wurde das Buch erstmals nach 57 Jahren, also 2013 ins Deutsche übertragen, obwohl das Thema «Philosophieren mit Kindern» schon seit «Sofies Welt» (1991) populären Eingang in die Kinder- und Jugendliteratur fand.

Sendak stellt das Fenster in den Mittelpunkt seiner Erzählung, auch wenn wir es zu Beginn noch nicht bemerken. Denn erst die letzte ist die wichtigste Frage: «Was schaut nach drinnen u n d [zugleich] nach draußen?» bezieht sich auf den verglasten Teil eines Zimmers. Die Fragen zuvor erscheinen uns eher merkwürdig, handeln sie doch von einer «einundeinzigen» Ziege oder vom «Hören eines Pferdes auf dem Dach» oder ob man ein gebrochenes Versprechen wieder gutmachen kann.
Dadurch, dass Sendak die Fragen in eine Rahmenhandlung eines Traumes einbettet, gibt er ihnen einerseits etwas Leichtes, Schwebendes, andererseits aber auch Tiefe und Überraschung. Das ist sehr modern und sehr gelungen.

Den Bildern dagegen sieht man ihr Alter an. Die Körper bleiben zumeist in ihren Konturen und haben selten Perspektive oder Raum, wenige Flächen werden anschließend in bräunlichen Tönen gefärbt. Die Anordnung und Linienführung erinnern einige Male an Marc Chagall († 1987) und entbehren nicht des Humors, der sich beim späteren Maurice Sendak etwas mehr versteckt.

Für Kinder ab vier Jahren zum Vorlesen in verschiedenen Etappen sehr gut geeignet.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en