Noelia Blanco & Valeria Docampo:
Im Garten der Pusteblumen

Aus dem Französischen von Anna Taube
München: Mixtvision 2013

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-939435-80-8
40 S * 13,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Wir streben nach Perfektionismus. Schneller, kleiner, jederzeit ist Wissen parat, wir lernen nicht mehr selbst, vielleicht lassen wir auch schon träumen. Im Tal der Windmühlen jedenfalls gibt es diese «Perfekten Maschinen», die sogar das Wünschen überflüssig machen. Alles wird zur vollständigen Zufriedenheit bereitet, schnell, immerzu. Erst dann merken wir, dass wir arm geworden sind. Anna aber, die Schneiderin, hat noch versteckte Sehnsüchte.

Lob des Imperfektionismus

Seit alles perfekt ist im Tal, muss Anna höchstens noch kleine Änderungen an Kleidungsstücken vornehmen, dabei möchte sie «Meeressaum nähen» oder «Sternspitzen und Wolkenumhänge». Eines Nachts, der Wind hat seine Aktivitäten längst eingestellt und die vielen Windmühlen haben steife Arme vom Nichtstun, sieht Anna im fahlen Licht des Mondes eine merkwürdige Gestalt. Die Gefühle des «Vogelmanns» sind ebenfalls nicht von den Perfekten Maschinen stillgelegt. Beide finden einen Weg, sich der Kontrolle der Maschinen zu entledigen und das Tal wieder zum Leben zu erwecken. Und dazu gehören Fehler ebenso wie Träume, von denen man den einen oder anderen vielleicht, wenigstens für kurze Zeit, wahr werden lassen kann. 

Annas rote, lange Haare bilden einen guten Kontrast zu ihrem grünen Kleid und lassen sich von einem wohl warmen Wind durchwirbeln. Ihr Kopf ist im Vergleich zu dem dünnen Hals und ebensolchen Armen viel zu groß. Das Babyschema ruft unseren Beschützer-Instinkt auf den Plan, dabei hat sie das gar nicht nötig, denn sie ist eine starke junge Frau, die sich etwas bewahrt hat in ihrer Welt. Das macht sie sehr still und gar nicht aufsässig. Anna ist nur etwas traurig und wäre ohne das Zusammentreffen mit dem riesigen Vogelmann mit dem langen, krummen, vor dem Mund mit einem Gummiband aufgesetzten Schnabel wohl in ihrem Schneckenhaus geblieben. Vielleicht wären ihre Wünsche noch tiefer in ihrem Innern verschwunden, so aber verlässt sie das Dorf und sucht die Wiese der Pusteblumen auf.

Dort – wie auch schon auf dem Vorsatz – werden die wunderbar traurigen Bilder mit den verwaschenen Flächen in Braun- und Grüntönen «gestört» durch grobe weiße Linien, als hätten Kleinkinderhände eine Blume gemalt, Gräser, einen Kreis mit Strahlen, Räder, Strichmännchen, einen Vogel. Sie zeigen das, was der Text lobt: Imperfektionismus. So, wie der Wind nicht greifbar ist und nur erkennbar in und an den Dingen, die er bewegt.

Genauso bewegen wir die Welt. Nicht mit unseren Maschinen und Erfindungen, sondern mit unseren stillen Träumen und geheimen Wünschen.

 

Ein schönes Buch mit einem Thema, das wir nie vergessen sollten.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en