Riff Reb’s:
Der Seewolf

nach dem Roman von Jack London
Bielefeld: Splitter 2013

www.splitter-verlag.de

ISBN 978-3-86869-636-3
136 S * 24,80 € * ab 10 J

 

 

 

 

Der reiche Literaturkritiker und Feingeist Humphrey Van Weyden wird durch einen Unfall vor der Küste von San Francisco auf das Robbenfangschiff des Kapitäns Wolf Larsen verschlagen. Die rohe und ungebildete Mannschaft wird mit harter Hand geführt. Ein Menschenleben bedeutet hier nicht viel, und der Kapitän ist Nihilist. Aber er hat sich auch eine gewisse Bildung angeeignet. Eine gelungene Kurzfassung von Jack Londons Buch, bei dem die Bilder große Teile der Erzählung übernehmen.

Kapitänsbild

Bis zu sieben schwarz-weiße Bilder pro Seite zeichnete Riff Reb’s, für jedes Kapitel legte er eine andere Grundfarbe darüber. Die Personen sind so wie die Geschichte: Roh- und Verschlagenheit kennzeichnen die Gesichter, oft karikaturenhaft überzeichnet mit großen Mündern und kleinen weißen Augen, im Erstaunen groß hervortretend. Viele der unterschiedlich langen Kapitel werden von einer doppelseitigen Zeichnung eingeführt, die die Dramatik der Handlung oder des Schiffes auf rauer See mit deutlichen Lichteinfällen hervorheben.

Keine der Personen dient – im Gegensatz zu einigen im Text – als Identifikationsfigur, selbst nicht Maud Brewster, schon gar niemand der Besatzung, erst recht nicht der Kapitän, der allgemein als Seewolf bezeichnet wird, und auch nicht der Ich-Erzähler. Anders ist es im Text, in dem sich die beiden Menschen, die vom Leben begünstigt sind und deren Moralvorstellungen mit dem christlichen Glauben an das Jenseits korrespondieren, abheben vom Seewolf. Dieser hat offensichtlich keine schulische Bildung, liest – und versteht – aber Shakespeare, Tennyson, Darwin sowie in einem Buch mit dem Titel «Richtiges Englisch». Seine Moralvorstellungen unterscheiden sich deutlich, gibt er zum Beispiel «Hump» selbst die Schuld, dass dieser bestohlen wurde, da er durch seinen Leichtsinn den Koch zum Diebstahl ermutigte. Er meint, dass «die Unsterblichkeit der Seele» ein Trost sei «für Feiglinge und Dummköpfe», und er zeigt mehr als einmal, dass er vielleicht Recht haben könnte.

Ein Abenteuerbuch also für Kinder und Jugendliche, das auf Grund der gewählten Art der Darbietung als «Graphic Novel» auch lesefaulen Kindern Zugang gewährt zu einem Buch der Weltliteratur, und sie zugleich mit existenziellen Fragen in Berührung bringt. Ungeübte Leser werden zunächst einige Probleme mit den Figuren haben, die so gar nicht freundlich und «hübsch» sind, sondern im Gegenteil das Hässliche betonen. Aber das ist nur zu Beginn so. 130 Seiten sind wie im Flug «gelesen».

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en