Susana Sutherland de la Cruz & Rafael Vivas:
Der Huträuber

Aus dem Spanischen von Rosemarie Griebel-Kruip
München: Mixtvision 2013

www.mixtvision-verlag.de

ISBN 978-3-939435-78-5
28 S * 13,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die Menschen rufen zwar «Haltet den Dieb!», aber wir sehen keinen. Die der Menschen fliegen zwar von den Köpfen in die Luft, aber wir wissen nicht warum. Das Gleichnis im wunderbar gestalteten Buch zeigt, dass wir Menschen in der und für die Natur vielleicht nur gut sind, um etwas abzuGEBEN. Wenn wir außerhalb der Geschichte sind, NEHMEN wir gern von ihr.

Abgeben, teilen

Die Natur sorgt für sich, mag der Mensch vielleicht auch glauben, dass sie ohne ihn nicht überlebensfähig sein. Zunächst wissen wir gar nicht, wer zuständig ist für den vielfältigen Hutdiebstahl auf der Straße, nach dem Besuch beim Frisör, auf der Hochzeitsgesellschaft, überall in der Stadt. Ist es der Wind? Ein Geist? Ein Monster? Bald wissen wir mehr, denn die Hüte sammeln sich in einer großen, bunten Wolke aus lauter Hüten. Strohhüte, Melonen, Brautschleier, Mützen und Zylinder werden um die halbe Erde getragen oder weiter. Der Grund ist nachvollziehbar: Hüte braucht der Mensch nicht unbedingt, Vögel aber brauchen ein Zuhause. Legt man diese Interessen auf eine Waage, so wird ein Austausch sehr deutlich. Nicht zufällig hängen die Hüte auf dem Titelbild mit der Öffnung nach oben mit der Krempe zwischen den Astgabeln, nein, der Stumpen, der normalerweise den Kopf umschließt, wird als Haus mit rotem Dach und Schornstein dargestellt.

Eine sehr gute Symbiose von gestaltetem Text und Bild macht das Buch rund. Die Bilder nutzen, zartes Rotbraun als vorherrschende Farbe. Die Menschen sind nicht realitätsgetreu gezeichnet, mehrfach erscheinen sie geklont und bilden mit der Textgestaltung eine Einheit. Die Gestaltung geht zwar auf den Inhalt ein, fügt aber immer noch etwas hinzu. Die Schatten der Menschen könnten auch von einem anderen Original stammen, die Gesichter halten eine zeitgleiche Mischung von Profil und Frontalansicht. Wenn im Text behauptet wird, dass «niemand» die Wolke bemerkt, so sehen wir ein geflecktes Tier, das ihr nachschaut. Wenn der Text davon spricht, dass die Wolke über Getreidefelder gleitet, so sehen wir fliehende Tiere in einem Feuer, das die ganze Erde umspannt.

Wozu also ist der Mensch gut (in dieser Geschichte)? Er trägt Hüte, und die geben einen wunderbaren Nestersatz ab!

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en