Thies Schwarz:
Alfonso, der Meisterdieb  
9 geniale Gaunereien und ein fataler Fehler

München: Mixtvision 2013

www.mixtvison-verlag.de

ISBN 978-3-939435-81-5
40 S * 11,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Thies Schwarz findet in seinem ersten Bilderbuch eine ganz eigene Erzählsprache. Es gelingt ihm auf je einer schmalen Hochkantseite einen Diebstahl darzustellen, von der Vorbereitung bis zur Ausführung und manchmal auch noch darüber hinaus. Dabei benutzt er kaum die Sprache, fügt nur hier und dort schlagwortartig Wörter ein und Pfeile, kleine Skizzen auf herausgerissenen Zetteln, auf denen noch Notizen zum Einkauf stehen.

Genteleman-Thief

Wie es einem Meisterdieb gebührt, ist Alfonso perfekt gekleidet: schwarzer Anzug mit weißer Paspel, weißes Hemd, rote Fliege, schwarz-weiße Schuhe, alles sauber und sehr elegant. Dazu trägt Alfonso perfekt gescheiteltes schwarzes Haar, das eng an seinem Kopf anliegt, und ein schwarzes Menjou-Bärtchen mit langen, leicht gebogenen Enden. Das Ungewöhnlichste an ihm ist seine schwarze Augenmaske aus Halbkreisen, die ihn als Dieb ausweisen. Niemals würde so einer mithilfe einer Waffe stehlen, seine «Waffe» ist sein Verstand und seine Raffinesse, mit der er ein ums andere Mal, die Bank, das Museum, die berühmte Sängerin und das Kasino um diverse Kostbarkeiten erleichtert. Die Polizei ist machtlos gegenüber seinen Einfällen und tappt immer im Dunkeln. Beinahe aber geht ein Diebstahls-Versuch schief, denn den hat er auch nicht vorher genau geplant. Einem spontanen Wunsch nachgebend, stiehlt Alfonso dem kleinen Jungen sein Eis. Und das hätte er besser nicht tun sollen.

Der Autor und Illustrator spielt nicht nur mit dem Genre des Gentleman-Verbrechers, er zeigt auch noch eine spezielle Art von Humor und zitiert hier und da, gibt auch der Käufer- und Vorleseschicht für Bilderbücher etwas zu finden. Das beginnt mit der Figur des Alfonso, die einerseits an den rosaroten Panther und Inspektor Clouseau erinnert, andererseits den halbseidenen Menschen aus dem Westen in der Zeit des Kalten Krieges, der immer etwas Übles im Schild führt. Hier kehrt sich diese Sichtweise ein wenig um, denn Alfonso ist hier eine sympathische Figur, der wir seine erfolgreichen Diebstähle gönnen. Dazu gibt es weitere Zitate, nach deren Originale der Erwachsene auch suchen darf: Hinweise auf die Pflanze Audrey aus «Little Shop of Horrors» * das x-Ray-Skelett aus den Werbeplakaten für die Brille, mit der man angeblich durch die Kleidung schauen kann * der Speerwerfer mit Luftballon und Mickey-Maus-Ohren, den auch Banksy schon parodierte * das «Versteck» der Blauen Mauritius, das wir auch bei Conan Doyle (?) finden und bestimmt noch viel mehr.

 

Da es sich nicht um ein ganz gewöhnliches Buch handelt und einige Kombinationsgabe gefordert wird, liegt das empfohlene «Lese-»alter zwischen 6 und 12 Jahren – und ist natürlich für (fast) alle Erwachsene gut geeignet, auch wenn man nicht die Absicht hat, Diebstähle zu begehen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en