Maria Papayanni & Eve Tharlet:
Wer gewinnt?

Bargteheide: Minedition 2013

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-166-1
28 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Alles kann der kleine Bruder besser. Immerzu muss er wetten, dass er das besser kann und jenes. Und er gewinnt immer. Da nützt es gar nichts, dass Mutter sagt, dass die Zeit des anderen auch irgendwann kommt, er auch einmal gewinnen wird. Als er dann wirklich einmal gewinnt, ist es jedoch ganz anders als gedacht. Und es gibt keinen Siegesschrei.

Geschwisterwettstreit & Geschwisterliebe

Maria Papayanni siedelt ihre Geschichte bei den Bibern an, doch dafür gibt es keinen echten Grund, denn die Situation gibt es bei den Menschen ganz genau so. Freddi gewinnt beim Kegeln mit der Kokosnuss auf die Pyramide aus Ananasfrüchten. Freddi gewinnt auch gleich noch mal. Wie immer! Bobbi ist geknickt. Immer verliert er die Wetten gegen seinen Bruder! Die Mutter meint zwar, dass er auch irgendwann gewinnen wird, aber wer glaubt schon daran. Bobbi jedenfalls nicht. Beim Schaukeln wird es auch genau so sein. Während er noch dabei ist, sein Schaukelbrett zu befestigen, schwingt sich sein Bruder schon fast in den Himmel. Als er selbst dann aber tatsächlich kurz darauf noch höher schaukelt, bleibt ihm sein Siegesruf in der Kehle stecken. Freddi ist abgestürzt. Doch damit gewinnt Bobbi auf eine ganz andere Art, und die hat überhaupt nichts mit «Angeben» zu tun.

Eve Tharlet zeichnet sehr klar und weiß offensichtlich, wie sie uns gleich zu Beginn auf die Geschichte vorzubereiten hat. Sie zeichnet auf dem Schmutztitel einen Baum mit zwei großen Ästen links und rechts, an denen zwei Schaukeln an langen Seilen hängen. Das ist das Bild der Justitia mit der Waage, die Gerechtigkeit, die dem Recht zur Geltung verhilft.

Die Folgebilder haben je einen deutlichen Vorder-, Mittel- und Hintergrund, auf dem die Handlung abläuft. Mal ist der Horizont sehr tief, dann wieder sehr hoch. Die «Personen» und die Gegenstände sind sparsam angeordnet, sodass auch Kinder im 3. Lebensjahr sie gut verfolgen und wiedererkennen. Allein das Bild vor dem Bau der Schaukeln ist etwas unübersichtlich. Dafür spiegelt es sehr gut die emotionale Lage der beiden Brüder und die der Mutter, die sogar länger erscheint als die Bäume hinter ihr, während die beiden braunen Brüder gleichhoch sind wie die grünen Bäume mit den braunen Stämmen. Freddi allerdings weiß offensichtlich, dass er wieder gewinnen wird, denn er geht erhobenen Hauptes vorweg. Bobbi dagegen weiß offensichtlich, dass er wieder verlieren wird. Er geht gesenkten Hauptes so dicht vor seiner Mutter her, dass sie ihn bestimmt mehrfach berühren muss. Das tröstet.

 

Eine gute Geschichte mit einer guten Moral, vor allem, weil Mutters Vermutung wirklich eintrifft und Bobbi Sieger wird. Aber vielleicht hätte man sich auch einfach darauf einstellen können, dass der eine bei Wettbewerben immer gewinnt. Nicht jeder kann auch mal gewinnen, aber zufrieden sein kann man. Auch als Zweiter, Dritter. Vor allem aber auch als jemand, dem die Reihenfolge bei Wettbewerben völlig egal ist.

Das erfahren wir zum Schluss, wenn auch nicht so ganz richtig ausgesprochen. Das kann man ja aber nach dem Vorlesen und Besprechen seinem Kind auch mitteilen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en