Christoph Niemann:
Der Kartoffelkönig

Berlin: Jacoby & Stuart 2013

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941087-49-1
28 S * 12,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Die Beseitigung des Hungers in Preußen und später in ganz Deutschland haben wir der Kartoffel zu verdanken und der Sturheit von Friedrich dem Großen. Er soll mit einer List die Bauern dazu gebracht haben, die Kartoffel anzubauen. Dass die Bilder im Kartoffeldruck hergestellt sind, ist eine sehr passende Idee.

Der Alte Fritz

Auf dem Vorsatz sieht man den in Rot gedruckt, wie er (das Foto) einer Kartoffel keuchend einen Berg aus kleinen grünen Blattpflanzen hochrollt. Auf dem Nachsatz am Ende des Buches hat er es leichter, denn rollt er die Kartoffel auf der anderen Seite den Abhang herunter, wo schon der graue Untertan mit Gabel und Teller steht und sich auf die Kartoffel freut. Die Kartoffel auf dem Foto freut sich deutlich auch, dafür sorgen ihre Augenpunkte, die (zufälligerweise) ein fröhliches Gesicht bilden.

Zwischen diesen beiden Seiten steht dann mit wenig Text und vielen mehrfarbigen Kartoffeldrucken die Geschichte der List, die zwar nicht belegt ist, aber gut die Situation beschreibt und auch Einiges über den Charakter des Königs sagt oder sagen will. Sie ist zudem verkürzt und ein wenig respektlos, wenn ein Untertan seinem König von hinten die Kartoffel an den Hinterkopf wirft, dass die Krone nur so davon fliegt!

 

Die Bilder sind hervorragend durchkomponiert, der Kartoffeldruck ist nicht nur des Themas wegen passend, Christoph Niemann gibt der uniformierten Armee die gesichtslose Masse und dem Grün auf dem Feld das Typische der Kulturpflanze. Dass man mit dem Kartoffeldruck aber auch individuelle Gefühle ausdrücken kann, wird ebenso mehrfach bewiesen.

Neben dem geschichtlichen Aspekt und der Erinnerung, dass der Hungertod nicht nur irgendwo in der Ferne stattfindet, sondern auch bei uns immer wieder auftrat, gibt es den Imitationseffekt des Buches. Wer will nicht gleich anschließend fragen: Können wir das auch mal mit einer Kartoffel machen?

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en