James Joyce & Wolf Erlbruch:
Die Katzen von Kopenhagen

Aus dem Englischen von Harry Rowohlt
München: Hanser 2013

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-24159-6
32 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Eine kurzer Brief an einen vierjährigen Enkel, isoliert und illustriert wird daraus eine skurrile kleine Geschichte voller Humor und Doppeldeutigkeit. Harry Rowohlt übersetzt fast wortgetreu und Wolf Erlbruch fügt neue Illustrationen für die deutsche Version hinzu. Kinder werden das Buch ganz anders lesen und anschauen als Erwachsene, die ganz bestimmt ganz viel Vergnügen haben werden.

Sweets

Wolf Erlbruch, bekannt durch seine exakt ausgeschnittenen und neu komponierten Bilder, zeigt hier, wie er mit scheinbar «unordentlichem» Strich ein Stimmung zu erzeugen vermag, die der skurrilen Geschichte nicht nur entspricht, sondern sie auch noch erweitert: Fahrrad fahrende oder Zigarren rauchende Fische, ein James Joyce mit seiner runden Brille und dem energischen großen Kinn, wie er diesen Brief an seinen vierjährigen Enkel Stephen schreibt, eine Katze, die uns träge zublinzelt. Die Linien, die uns die Bilder schenken, sind mit farbiger (Öl-?) Kreide in großem Schwung gezeichnet, die Farbwechsel scheinen zufällig zu sein. Ein rundes grünes Auge, ein zugekniffenes blaues, eine einfache kurze gebogene Linie macht aus dem flächigen einen räumlichen Kopf, selten wird die Kreide verwischt, um eine Fläche zu färben. Tolle Bilder zeichnet der Illustrator, die eine gehörige Portion Humor in die etwas aberwitzige Geschichte bringen und damit ganz anders sind als die von Casey Sorrow in der englischen Ausgabe.
Die vorliegende Briefgeschichte hat Joyce bereits 1936 geschrieben, wie auch sein anderes Kinderbuch «The cat & the devil» (als illustriertes Buch 1965 erstmals erschienen), sie wurde allerdings erst 2012 gedruckt und ist jetzt neu illustriert auf Deutsch erschienen. Die dänischen Katzen, von der der Titel erzählt, sind kleine Dosen für Süßigkeiten in Katzenform. So ist der erste Satz an seinen vierjährigen Enkel («Alas!
I cannot send you a Copenhagen cat because there are no cats in Copenhagen.») durchaus doppeldeutig.

Ganz sicher ist dies Buch für Erwachsene mit Sinn für (britischen) Humor ein großer Gewinn, Kinder werden eine «komische» Geschichte erfahren, in der Katzen Zigarren rauchen und Polizisten Buttermilch trinken.

 

 

 

P.S. Warum Harry Rowohlt «young boys» mit «junge Jungens» (mit dem grammatikalisch umgangssprachlichen -s) übersetzt, ist unklar.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en