Rafik Schami & Kathrin Schärer:
«Hast du Angst?», fragte die Maus

Weinheim: Beltz & Gelberg 2013

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-79525-0
32 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die kleine Mina wohnt mit ihren sechs Geschwistern bei ihrer Mutter. Sie interessiert brennend, wo die Angst ist, von der ihre Mutter berichtet, und wie sie sich wohl anfühlt. Doch ihre Mutter hat keine Zeit, sie muss sich um die Nahrung kümmern. Da macht sich Mina allein auf die Suche. Ach ja, Mina ist eine kleine Maus.

Von einer, die auszog, die Angst zu lernen

Mina befragt nun alle Tiere danach, ob sie selbst Angst kennen oder gar haben, damit sie endlich auch weiß, was das ist. Der Löwe kennt Angst auch nur bei den anderen und das Nilpferd meint, den Hunger zu stillen sei wichtiger, als sich um Angst zu kümmern. Kein Befragter weiß entweder, was Angst sein mag, oder aber er kennt – wie die 115-jährige Schildkröte – so viele Arten, dass Mina dadurch auch nicht schlauer wird. Am Ende des Buches weiß die Kleine dann aber doch wie es ist, wenn man die Kälte im Bauch spürt und die «bedrückende Enge in ihrer Brust». Und es ist nicht die Katze, die wir auf dem Vorsatz bereits sahen, die für Mina die Fachfrau für Mäuseangst ist.

 

Kathrin Schärers Mäuse sind immer noch die besten, pfiffig bis neugierig, witzig und sehr sympathisch, dazu noch wieselflink. Ein herrliches Bild aus dem Raum hinter der Fußleiste, wo Mutter Maus und ihre Kinder leben und in den das riesige Auge der Katze vor dem Eingangsloch herein starrt! Die Bilder sind Detail getreu, auch wenn die Maltechnik mit Aquarellen und Pastellkreiden dagegen sprechen mag. Klasse, wie sie sowohl das Fell von Löwe oder Stinktier als auch die Lederhaut von Flusspferd oder Elefant mit den Pastellstiften zeichnet und gleichzeitig den Hintergrund sehr unbestimmt, verwaschen, wie Lampenputzer aus einem grob ausgeschnittenen Gras herauswachsen!

 

Bleibt die Frage, ob man dreijährigen Kindern die gefährlichen Reiß- und Beißzähne im offenen Maul zeigen sollte, ob man keine Alpträume bei den kleinen Betrachtern hervorruft. Die Antwort heißt: Kinder sind gar keine Erwachsenen. Sie verbinden nicht die gleiche Furcht damit, wie es ihre Eltern vielleicht machen. Und außerdem heißt die Botschaft der Geschichte: Angst sollte man schon kennen, damit auch die damit verbundenen Gefahren deutlich werden. Dann kann man damit umgehen und sich auch so richtig verhalten wie Mina.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en