Mehrdad Zaeri & Anne Richter:
Prinzessin Sharifa  
und  Der mutige Walter

in das Arabische übersetzt von Mahmoud Hassanein
Basel: Baobab 2013

www.baobabbooks.ch

ISBN 978-3-905804-52-2
32 S * 15,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Zwei Kulturen, zwei Theatergruppen, zwei Geschichten aus dem je anderen Kulturkreis, zwei Projekte. Anne Richter hat die Geschichten aufgeschrieben, der im Iran geborene Mehrdad Zaeri hat sie illustriert. Der deutsche wie der arabische Text und die Bilder folgen den beiden Kulturkreisen. Eine ist von links nach rechts zu lesen, die andere von rechts nach links. Der Mut und die lange Zeit haben sich gelohnt, es ist ein tolles Bilderbuch entstanden.

Tells Sohn und eine mutige Prinzessin

Das besondere Bilderbuch entstand, nachdem die Theatergruppen (Schnawwl aus Mannheim und International Association for Creating and Training I-act aus Alexandria) sich je eine Geschichte aus dem anderen Land aussuchten, um es zu dramatisieren und auf die Bühne zu bringen.
Das arabische Märchen erzählt von der mutigen Prinzessin, die sich als Prinz verkleidet, um das Nachbarland zu besuchen. Das ist nicht ungefährlich, denn dort hat der König alle Frauen (außer seiner eigenen Mutter) aus dem Land vertrieben. Alle Arbeiten werden fortan von Männern erledigt. Aber der Prinzessin gelingt es letztlich, den König zu überzeugen, dass die Sonne nichts ist ohne den Mond, der Tag nicht bestehen kann ohne die Nacht, der Mann nicht ohne die Frau – und umgekehrt.
Die Ägypter dagegen haben einen Aspekt aus der Geschichte um den Schweizer Wilhelm Tell adaptiert. Sie stellen Walter, den Sohn des braven Bergbauern und hervorragenden Bogenschützen, in den Mittelpunkt und beleuchten die Frage, wie die Mächtigen den normalen Bürger in Gewissensnöte bringen und verantwortlich sind dafür, dass diese sich wehren.

Mehrdad Zaeri hat für beide Geschichten eigenwillige Bilder geschaffen. Er setzt Häuser und Landschaft auf einen gestalteten Landblock, als würden wir je auf eine Bühne schauen. Seine Personen schafft er mit wenigen Linien, oft sind einige Flächen gefärbt, ohne dass ein Duktus erkennbar wäre. Das Märchen weist als Grundfarbe hellblau auf, die Geschichte von Tell ist geprägt vom tiefen Schwarz, das die Bösen über das Land und die Menschen bringen und die Welt fast als Schattenriss darstellen.

 

Das gesamte Projekt nimmt Vorurteile und dient des gegenseitigen Verständnisses im besonderen Maß. Das beginnt mit dem Äußeren, dass nämlich die arabische Geschichte europäisch gelesen wird, die schweizerische dagegen von rechts nach links. In der Mitte treffen sich beide, und es wird kurz (in beiden Sprachen) das Projekt vorgestellt. In die Bilder integriert ist der deutsche Text je auf der linken Seite oben, die arabische Übersetzung gegenüber und wird bei uns voraussichtlich «exotisch» wirken, da es nicht viele Menschen der Zielgruppe(n) geben wird, die die Schriftsprache lesen können. Das ist aber nicht schlimm, wichtiger ist, dass die Gefühle für beide Kulturkreise positiv beeinflusst werden.
Das ist hier gewiss gelungen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en