Sylvain Victor:
Das rote Trikot – Eine afrikanische Reise

Aus dem Französischen von Catherine Cornet
Hamburg: Aladin 2013

www.aladin-verlag.de

ISBN 978-3-8489-0009-1
48 S * 12,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Die Geschichte kommt ohne Text aus, die Bilder sprechen eine deutliche Sprache. Das Wort «Rückgewinnung» (im Deutschen auch «Recycling» genannt) erhält hier eine Bedeutung, die man der Massenware «Trikot» nicht zugetraut hätte. Das kurze Leben des Fußball-Trikots für den Jungen ist langlebiger als gedacht. Es kehrt auf einem großen Umweg zurück zu ihm. Allerdings anders.

Souvenir (?)

Ein riesiger Markt mit Wegwerf-Kleidung aus dem reichen Europa hat sich gebildet. Nicht nur, dass Wollware gerissen, neu versponnen und verarbeitet wird, die Pullover, Hosen, T-Shirts, Jacken … werden auch im großen Stil nach Afrika verschifft, verhindern dort zum Teil den Aufbau einer eigenen Herstellungsindustrie, zerstören die gewachsenen traditionellen Muster und Kleidungsstücke.

Unsere Geschichte beginnt mit dem Umlegen des Schalters in der Fertigungshalle, der die Maschinen in Gang setzt, um aus dem Nähschnitt und entsprechendem Material rote Sporttrikots mit einer großen 8 auf der Brust herzustellen. Der Junge überzeugt die Mutter, dass er mit diesem Trikot der Fußballheld werden könnte. Sie kauft es, der Junge spielt Fußball, rauft, holt den Ball vom Baum, repariert sein Fahrrad – und das Trikot ist dreckig, schmierig, kaputt. Es wird zwar wieder sauber gewaschen, aber der Zauber ist weg. Weder der Junge noch seine beiden kleineren Brüder wollen es weiterhin haben. Ab in die Kleidersammlung! Auf welchem Weg über Afrika ein Teil des Hemds wieder zurückkommt, muss man sich selbst anschauen, und auch die Wörter dazu für sich bilden, sich oder den Eltern erzählen.

 

Der Autor / Illustrator hat eine ungewöhnliche Sprache für seine Geschichte gefunden. Er stellt mit wenigen Bildern Abläufe dar, zeigt zum Beispiel in nur drei Bildern die Massenproduktion des Trikots, in vier Bildern, wie es zusammengelegt wird und dann aus einer Öffnung in den Verpackungskarton rutscht. Das ist sehr deutlich und scheinbar einfach, zugleich doch so unübersichtlich, dass man schon genau hinschauen muss. Das liegt vor allem an dem nahtlosen Aneinanderreihen einzelner Bilder. Die schwarze Linie umrahmt das Bild ebenso wie die andere Flächen, Häuser, Autos, Wände.

 

Wir haben es also mit zwei ungewöhnlichen Dingen zu tun: Die Art der Darstellung und der Bogen in der Geschichte, der zum Ausgangspunkt zurückführt. Dazu kommt das Gefühl, dass wir mit dem Kauf des Trikots etwas machten, was nicht so ganz zu unserem guten Gewissen passt. Das Gefühl wird auch nicht besser, nachdem wir Souvenirs von unserer Afrika-Reise mitbrachten.

Das Buch ist – je nachdem, auf welche Weise wir es anschauten – gut geeignet für Kinder ab 4 Jahre, aber auch für 16-Jährige – und für Erwachsene sowieso.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en