Alex Cousseau & Philippe-Henri Turin:
Der kleine Drache Theodor in der Höhle des Zyklopen

Aus dem Französischen von Ingrid Ickler
München: Knesebeck 2013

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-577-2
48 S * 19,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

In Anlehnung an die Abenteuer des Odysseus gelangt der kleine Held Theodor, ein Drache mit riesigen Flügeln und unnormal großen Füßen, auf der Suche nach einem Freund in die Fänge des Zyklopen Polyphem. Wieder sind es die Kleinen und Unscheinbaren, die die Geschichte zum Guten wenden. Die Bilder «grandios» zu nennen, hat nicht nur etwas mit Drache und Zyklop zu tun.

Einäugig

Wie bereits im Vorgängerbuch von Theodor sind die Bilder nicht nur groß, sondern auch großartig. Das Prinzip, die Tiere nicht vollständig auf einer Seite abzubilden, hinausragen zu lassen über den Rand, bleibt erhalten. Das Große wirkt dadurch noch mächtiger. Auch die Vorsatz-Seite ist wieder enorm. Dieses Mal ist die Doppelseite fast völlig ausgefüllt von einem Auge, das wir bald als das von Theodor erkennen: Ein goldenes Lid hat sich fast ganz geöffnet für ein Auge. Die Pupille füllt fast das gesamte Auge aus, das mit dünnen roten Adern durchsetzte Weiß ist kaum noch zu sehen. In der Pupille spiegelt sich eine Sonne. Die Schuppen aus hellem Blau und strahlendem Gelb geben dem Auge gleich auch noch das Exotische, das wir bei einem Drachenbild erwarten.

Der Text ist wieder von den Bildern abgesetzt, Theodor dichtet auch wieder: «Roher Rabe, in Meersalz geschwenkt, / Mauerseglerminestrone, / Spatzenhirn, mit Regen getränkt ...». Huch, da müssen die kleinen Kinder aber schon mal ein bisschen schlucken. So etwas erwartet man ja nicht, dass da Tiere als Futter beschrieben werden! Ein kleines Gespräch über die Natur, besonders die der Drachen, schwenkt das Interesse schnell auf die Suche von Theodor, nämlich: einen Freund zu finden. Das wollen wir doch alle, einen, mit dem man «alles teilen kann, Speise und Trank, Freud und Leid.»

Alle Suche führt jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis, im Gegenteil sind die einen dem Drachen zu klein und zu unwichtig, die anderen (Walross, Inuit) sind dem Drachen zu wild. Bleibt also der Riese mit dem einen Auge, oder? Klar, dass auch dieser Versuch nicht gelingt, dass Theodor von Glück sagen kann, dass er offensichtlich längst Freunde gefunden hat, die ihr eigenes Leben gefährden, um ihn zu retten.

Ein weiterer Band ist geplant («Bis bald, Theodor!») und wird uns bestimmt wieder genauso erfreuen. Vielleicht ist Theodor dann auch ein bisschen älter geworden, die Erst«leser» sind es auch.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en