Martin Baltscheit & Christine Schwarz:
Das Gold des Hasen

Weinheim: Beltz & Gelberg 2013

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-79469-7
44 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die Fabel liefert auf sehr unterhaltsame Art zwei Lehrer: Wie leicht kann man doch auf das Böse hereinfallen! und: Gier verdrängt das Wissen, dass man Gold man nicht essen kann! Die Illustrationen führen uns sehr dicht an die Tiere heran, sodass wir mitten drin sind in der Geschichte.

Midas

Der Wolf kannte offensichtlich nicht die Sage von König Midas. Dessen Wunsch erfüllte sich tatsächlich und alles, was er berührte, verwandelte sich in Gold. So wäre er beinahe verhungert. Dem Hasen nun widerfährt Ähnliches, allerdings ist sein Antrieb, Reichtümer anzuhäufen, nicht Gier, sondern Angst. Er ist ein richtiger Angsthase, der sich sogar vor all und jedem, sogar vor dem nächsten Tag fürchtet. So wird er zu einem Einsiedler und gibt kein Geld aus. So bleibt es nicht aus, dass sich dieses ansammelt zu einem kleinen Schatz, der nach seinem einsamen Tod auf einen Erben wartet. Nicht der Klügste soll ihn bekommen, nicht der Stärkste, nein, der Ängstliche soll Schatzbesitzer werden. Nun überbieten sich die Tiere gegenseitig, wer von ihnen der am wenigsten Mutige ist – und vom Sieger hätten wir das nun gar nicht gedacht. Aber Glück bringt auch ihm das Geld nicht.

 

Die Bilder und die Texte sind deutlich getrennt, die Bilder auf der rechten, für den zum Teil gestaltete Text bleibt auf der linken Seite viel Platz, den er trotz großer Schrift und doppelzeiligem Abstand nicht nutzt. Sowieso bleibt das Auge lieber auf den Illustrationen. Wie mit einem Makro-Objektiv aufgenommen sind die Tiere, man erkennt jede Schuppe der grünen Schlange, die knapp an uns vorbei schaut, sieht den groben Pinselduktus im Hühnerkleid und die Adern im Auge der Eule. Die einzige, die für den (schwarzen) Humor sorgt, ist die Eintagsfliege, denn die Eule meint: «Wer keine Zukunft hat, dem nützt auch keine Angst davor», und wir sehen noch einen Teil des Fliegenkörpers, der aus dem Schnabel des Nachtvogels hervorschaut.

 

Gegen Ende werden noch einige Märchen verdreht und dazu benutzt, den Ängstlichen unter allen auszumachen. Und alle anderen Tiere gehen ihm auf den Leim – aber das Lachen vergeht ihm auf dem letzten Bild. Uns wird klar, dass Reichtum ganz gewiss nicht gut ist, wenn er nicht zugleich nützlich ist.

 

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Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en