Benjamin Lacombe:
Undine

Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
Berlin: Jacoby & Stuart 2013

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941087-21-7
40+6 S * 22,95 € * ab 05 J

 

 

 

 

Eine Tragödie. Eine Geschichte, die nicht gut endet, begleitet von wunderbar traurigen Bildern. Dennoch wollen wir lange nicht an das Ende denken, wollen die Intrigen ignorieren, möchten, dass es noch lange dauern möge, damit wir die Bilder noch ein wenig länger betrachten können, uns gefangen nehmen lassen von ihnen, von der Zartheit der Undine, halb Wassergeist und halb schon Mensch.

Unda (lat. die Welle)

Rotes langes Haar, fast so lang wie sie groß ist (zum Teil sogar deutlich länger), so zeichnet Benjamin Lacombe die Seefrau Undine, die Mensch werden und bleiben kann. Dazu muss sie jedoch wahrhaftig geliebt werden. Der Ritter Hans von Ringstetten ist es, der sich in sie verliebt, der sie hinter dem düsteren Schwarzwald findet und sie heiratet. Ursula, die schöne Pflegetochter eines befreundeten Ritters, hatte sich wohl Hoffnungen auf Hans gemacht, nun aber scheint sie den beiden ihr Glück zu gönnen, ist oft mit ihnen zusammen, kümmert sich. Und dennoch, so deutet es sich bereits zu Beginn an, steht die Verbindung unter keinem guten Stern. Die Wassergeister beobachten zunehmend sorgenvoll die Entwicklung, die denn auch in einer Katastrophe endet.

Viel Text begleitet die großformatigen Bilder, die zum Teil auf Pergamentpapier gedruckt sind, jedes von großer Eindringlichkeit. Der Autor und Illustrator verweist in seinem Dankschreiben auf den Japaner Hokusai, dessen berühmtes Bild «Die große Welle» und dessen Maltechnik er mehrfach auf dem Pergament zitiert, und auf die Präraffaeliten Waterhouse, Millais und Rossetti, von deren Bildern er die Leuchtkraft und Kompositionen in seine eigenen übernimmt. Seinen Menschen gibt er extrem große Augen, in denen sich das Licht spiegelt, seiner Undine zeichnet er einen knallroten Mund und roten Kajalstrich, die langen roten Haare zaust der Wind in strähnigen Wellen oder umfließen sie wie ein Cape. Das reine Gesicht hat eine kleine Stupsnase, die Farbe der Lippen und die extrem großen Augen bestimmen es. Die Arme sind unnatürlich, werden zu den zartgliedrigen kleinen Händen hin immer schmaler und dünner.

Es sind sehr auffällige Bilder, die sofort neugierig machen auf den Inhalt, von dem wir sogleich Mystisches und Märchenhaftes zuordnen. Und wenn Ennas Kriterium für ein gutes Buch zutrifft, dass nämlich das Titelbild auf der Rückseite fortgesetzt ist, zutrifft, dann ist dies eins. Allerdings auch ohne dies Kriterium.

 

Auf der Vorschlagsliste für den LesePeter Bilderbuch.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en