Peter Schössow & Heinrich Heine:
Der arme Peter

München: Hanser 2013

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-24021-6
40 S * 14,90 € * ab 05 J

 

 

 

 

Schössow macht etwas GANZ anderes aus dem romantischen Gedicht von Heinrich Heine, das er benutzt, um eine Theateraufführung für Schüler – sehr genau beobachtet – darzustellen. Wunderbar geeignet für Lehrer und für deren Kinder, die sich je bestimmt wiederfinden in den Bildern, die durch die Art der Darstellung einen hohen Wiedererkennungswert haben. Dass der Illustrator mit Vornamen ebenso heißt wie die Titelfigur, ist sicher nur Zufall.

Traurig, traurig, herrlich witzig

Ein klassischer Aufbau. Wir sehen, wie sich die Schauspieler am Bühneneingang des Theaters einfinden, die kleinen Zuschauer unter der Aufsicht gestrenger Lehrerin und eines (?) Kollegen lümmeln sich bald auf den Sitzen mit den hohen Rückenlehnen, echte Typen allesamt. Da haben wir den total Gelangweilten (Sind echte Skateboard-Fahrer wirklich per se Schulversager?), die Zwillinge mit ihrer Schwester, das kleine rothaarige Mädchen (in der Garderobe hängen Bilder von Charles M. Schulz‘ Peanuts), die Braven und die Coolen, ein kleiner Roboter, ein brauner Teddybär. Wir werden den Blick von der Bühne auf die Zuschauer vier Mal sehen. Da Schössow am Computer arbeitet, nutzt er selbstverständlich dessen Kopiermöglichkeiten, die jedoch virtuos zu variieren weiß. Er verändert die auffällig runden Augen mit den kleinen schwarzen Punkten als Pupillen, um ganz viel Leben in die Zuschauer (wie in die Schauspieler) zu bringen, Verliebtheit wie Albernheit, Traurigkeit wie Neugier, Schrecken und Hoffnung wie Erleichterung und Anerkennung.

 

Das Gedicht von Heine tritt fast völlig in den Hintergrund, es bildet lediglich die Grundlage für die drei mal drei Bühnenbilder, wie auch Heine drei mal drei Strophen dichtete, in die jeweils der vierzeilige, gereimte Text integriert ist. Als wär es eine altgriechische Tragödie, lässt Schössow drei junge Frauen als «Chor» in verschiedenen Verkleidungen auftreten – eine herrlich alberner als die andere – und mehrmals sehr unglücklich drein schauen.

 

Kinder, die das Buch anschauen, sollten Theater-Erfahrung haben, denn nur dann werden die vielen Verstecke von Humor erkannt als solche. Für Erwachsene gilt entsprechend, dass es mindestens einen Theaterbesuch gab, an dem zugleich eine Schulklasse teilnahm.

Die meiste Freude am Buch werden aber wohl Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher haben, die so viele Situationen wieder finden werden, die sie mehrfach mit dem realen Leben verbinden können.

 

Mit Recht steht «Der arme Peter» auf der Auswahlliste für den LesePeter – und das hat auch nichts mit dem Namen zu tun.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en