Ted Kooser & Jon Klassen:
Das Haus in den Bäumen

Aus dem Englischen von Thomas Bodmer
Zürich: NordSüd 2013

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-10130-4
32 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Neue Baumsamen heben das noch nicht ganz alte Haus, das auf einem gerodeten Boden gebaut war, aus seinem Fundament, stützen es von außen und von innen. Die Äste wachsen durch die Fenster und machen aus ihm ein Lufthaus, eins, in dem man vielleicht hätte träumen könnte, aber nicht gegen die Bäume leben wollen.

Naturgesetz

Du fährst auf einer Landstraße. Die Telegrafenmäste stehen im gleichen Abstand, die Drähte sind leicht durchgebogen. Ab und an ragen Bäume aus den Büschen heraus. Und plötzlich, du traust deinen Augen kaum, schwebt inmitten einer Baumgruppe ein altes Holzhaus, kein Baumhaus, nein, es ist ein Haus in den Bäumen. Was mag passiert sein? So oder ähnlich mag es gewesen sein. Ted Kooser erzählt seine Version der Vorgeschichte, wie sich die Natur ihren Platz zurückholt und den Versuchen des Menschen, sie nach seinem Willen zu formen, eine Abfuhr erteilt.

 

Der Mann, den sich Kooser ausdenkt, bleibt ebenso wie seine Kinder konturlos. Seine Aufgabe im Leben scheint darin zu bestehen, den Rasen um das neue Haus, für das einige Bäume gerodet wurden, kurz zu halten und von allen Pflanzen zu befreien, die seiner Meinung nach dort nichts zu suchen haben. Das fällt nicht leicht, da die Bäume der Umgebung immer wieder versuchen, ihre Samen zu platzieren. Nachdem die Kinder des Mannes auszogen und ihm die Arbeit immer schwerer fällt, zieht auch er in die Stadt. Die Natur ergreift wieder Besitz.

 

Die Bilder sind in einer Art Siebdruck gestaltet. Als wieder erkennbares Merkmal ist fast immer ein orangefarbener Klappstuhl zu sehen, leicht zu transportieren, um sich auch vor dem Haus an der frischen Luft ein wenig auszuruhen. Niemals ist dieser Stuhl besetzt, nur selten setzt sich der Mann nach getaner Arbeit auf den zweiten. Die kleinen Kinder spielen lieber unter den Büschen im Wald, der Mann ist mit Rasenmähen beschäftigt. Er benutzt diesen Handrasenmäher mit den rotierenden, sichelförmig gebogenen Schneidblättern, um auch keinen Sprössling zu übersehen. Ein einfaches Leben, ein eintöniges Leben.

So sind auch die Dinge aus der Welt des Menschen dargestellt. Das Auto besteht aus Quadern, die Beine der Menschen sind gerade wie die Bäume, das Haus ist klein, zwei plus ein Fenster neben der Tür, kaum Tiefe. Eine kleine Welt, eine Insel in der Weite. Die Bilder können sich nicht ganz entscheiden, ob es die Weite eines Graslandes ist oder die eines Waldes und widersprechen hier ein wenig dem Text. Das tut der Botschaft allerdings keinen Abbruch, dass sich hier ein Eindringling nur eine kurze Zeit gegen die Umgebung durchsetzte.

Eine gute Botschaft in einer Zeit, in der wir mit der Natur nicht gerade pfleglich umgehen. Sie braucht den Menschen offensichtlich nicht.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en