Nikolaus Heidelbach:
Dreizehn Geschichten von Bösen und Wichten für Neffen und Nichten

Weinheim: Beltz & Gelberg 2013

www.beltz.de

ISBN 978-3-407-82028-0
175 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Herrlich verschrobene Typen, ernsthaft und ohne jede Art von Selbstzweifeln erfindet Nikolaus Heidelbach und stellt sie in Situationen, die von alltäglich bis wahnwitzig reichen. Die zumeist kurzen Texte folgen dem Beispiel der Bilder, sind lakonisch sachlich bis sehr emotional. Qualität hält sich.

Das Haus vom Nikolaus

Der Sammelband zeigt Geschichten, die zum Teil bereits in den 1980er Jahren entstanden sind. Freche Bilder von gar nicht «schönen» Menschen zeichnet Heidelbach, politische Korrektheit ist nicht sein Thema. Wer sich daran stört, dass einige Gesichter an Kinder mit Trisomie erinnern, dass ein Büstenhalter die schweren Buchstaben von «Mama» ausfüllen, dass fettleibige Kinder sich Traumabenteuer träumen, dass Albträume zum Gegenstand einer Geschichte gemacht werden, dass ein Tod zum Spielkameraden werden kann, für all diese Menschen ist dieses Buch absolut nicht geeignet. Für alle anderen allerdings unbedingt!

 

Für den Rahmen dieser Sammlung erfindet Nikolaus Heidelbach ein Bild, das auf dem Vor- und Nachsatz abgedruckt ist. So wie das Mädchen mit weißer Kreide auf der blauen Hauswand nach vielen vergeblichen Versuchen endlich das «Haus vom Nikolaus» in einem Linienzug zeichnen kann, so ist zwischen den beiden Bildern eine kleine Werkschau, das Haus also, des Illustrators und Geschichtenerfinders zu sehen. Letztlich gelungen, findet dieser offensichtlich. Wir finden: Von Beginn an gelungen.

Er bewegt sich auf einem schmalen Pfad zwischen Bloßstellen, Vorführen der Kinder und ungerührtem Selbstbewusstsein. Seinen kleinen Spott macht er dennoch, beobachtet sehr genau und zeichnet genau so. Der Waschzettel schaut hinten aus dem Pulloverhalsrand heraus wie der Schnodder aus der Nase, der Schlüpfer blitzt gerade noch zwischen den Beinen des Mädchens hervor, die elegante, Tee trinkende Frau hinter der Glasscheibe spreizt ihren kleinen Finger beim Heben der Tasse ab, das Kind trägt einen (alten) Schlüssel mit Bart an einem Band um den Hals – die Reihe ließe sich noch lange fortsetzen.

 

Man mag Heidelbachs Bilder mögen - oder vielleicht auch gar nicht. Dass er einer der ganz großen Illustratoren ist, wird niemand ernstlich bezweifeln.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en