Pamela Schäfer & Christine Mohr:
Jacques, der Schakal

St. Pölten: Nilpferd in Residenz 2013

www.nilpferd.at

ISBN 978-3-7017-2117-7
28 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Dies ist die Geschichte eines sehr gefräßigen Schakals, der alles Essbare verschlingt und dann auch noch einen Riesendurst hat. Zum Schluss, sozusagen als Nachtisch, ist dann die kleine Kellnerin dran. Sehr schöne Bilder in einem Buch, von dessen «Hauptperson» wohl die meisten Menschen recht wenig wissen.

Nimmersatt

In Größe und Gefräßigkeit nimmt es dieser Goldschakal leicht mit einem Wolf aus einem Märchen auf. Er verschlingt mehr, als dass er frisst, allerdings sehr gesittet in einem Restaurant mit einem Mädchen als Bedienung. Die liefert ihm vom Walfisch bis zu einer Karawane alles, was man so verspeisen kann, wenn man mit Wörtern spielt und der Fantasie wenig Grenzen gesetzt wird.

Der kurze, oft gestaltete Text ist gereimt, jeweils nur eine Zeile steht auf einer Doppelseite. Er ist zunächst nur vier- bis fünfsilbig, wird mit zunehmender Dramatik jedoch länger, so wie – gegensätzlich – der zunächst zivilisiert wirkende Schakal mit zunehmender Dauer schläfriger und satter zu werden scheint. Umso aufregender dann der Abwurf der Maske: Der Schakal ist ein wildes Tier.
Christine Mohr lässt die Bleistiftstriche der Vorzeichnungen stehen. Das Malpapier besteht aus blass braunem, unterschiedlich gefärbtem Karton, dem sie mit Hilfe von wenigen Buntstift-Strichen Leben einhaucht. Als wiederkehrende Merkmale sehen wir neben dem Schakal den immer gleichen Raum: runder Esstisch mit bodenlangen Tischdecke, zwei zerbrechlich wirkende Stühle, kleine Garderobe mit drei Bildern darüber, Schirm und Tuch an den Haken, ganz links eine Tür mit vier Fächern, rechts eine grüne Pflanze im Topf, an der Wand ein Bild mit (ägyptischen) Pyramiden, einige Kleinigkeiten auf dem Tisch. Das Mädchen, das ihn bedient, sehen wir das erste Mal im vierten Bild, die kleine Maus, die im Text nie Erwähnung findet, ist bereits früher zu sehen, wenn man nur gut genug schaut.

Die Geschichte der Bilder wartet mit zwei Überraschungen am Schluss auf, von denen der Text nur die erste andeutet. Damit sind alle Kriterien für ein gutes Verhältnis von Text und Bild in einem Bilderbuch erfüllt, beide haben innerhalb der Geschichte einen eigenen Anteil, nehmen sich nichts, ergänzen und erweitern sich.

 

 

 

P.S. Wer sich für Schakale interessiert, findet im Internet nicht nur viele Bilder, sondern auch Hinweise auf das Verbreitungsgebiet und verschiedene Arten sowie auf die Lebensweise: Goldschakal = canis aureus, Nordafrika bis Hinterindien, frisst kleine Tiere oder Aas. Nein, er ist kein Haustier und wird auch eher selten in Restaurants gesichtet.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en