Willy Puchner:
ABC der fabelhaften Prinzessinnen

Zürich: NordSüd 2013

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-10129-8
60 S * 19,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Ein herrliches Buch, das vor Fantasie und Sprache nur so überquillt! Sechsundzwanzig Buchstaben des Alphabets, sechsundzwanzig (plus eine) Doppelseiten, sechsundzwanzig Prinzessinnen – eine schöner als die andere und jede sehr liebenswert mit je einem Geschenk. Leider sind alle sechsundzwanzig junge Vogeldamen (in menschlicher Kleidung) und die Geschenke sind nicht für uns, sondern für Prinz Willem, und der ist auch ein Vogel.

Jaguar jagen und Plastikkäfer aus Posen

Vorlesen und dabei den (streng genommen nicht ganz echten) Stabreim betonen – so weckt man Freude an der Sprache! Willy Puchner benutzt eine kleine Rahmenhandlung, die wir aus Märchen kennen: Prinz Willem ist im heiratsfähigen Alter, doch er träumt noch immer von der weiten Welt und er spielt «tagelang ... auf seiner Trommel und auf seinem Saxophon». Und dann lässt er selbst seinem Sprachwitz freien Lauf. Er findet zu jedem Buchstaben eine Reihe von Wörtern, die mit dem gleichen Buchstaben beginnen, und er achtet darauf, dass er verschiedene Kriterien bedient: Name, Herkunftsstaat oder –ort, Lieblingstiere, Charaktereigenschaften, Musikinstrumente, Essen und Trinken. Dann mischt er einige und beendet jede Vorstellung mit einem Geschenk, das die jungen Prinzessinnen für den Auserwählten mitbringen. Das ist eine Briefmarkenserie oder ein Frosch, ein Harlekin oder eine Libelle, ein Walbaby aus Wachs oder ein Xylophon.

Anders als in vielen Märchen sind diese Prinzessinnen aufrecht und selbstbewusst, kennen die Welt und stellen sich dennoch dem Auswahlverfahren. Und sie sind Vögel in Menschenkleidung, eine lächerlicher als die andere. Nein, so stimmt das nicht, oder doch. Es ist die Haltung, die ihnen Willy Puchner auf seinen Zeichnungen gibt, die uns sehr schnell vergessen lassen, dass es Wesen sind mit kleinem Kopf und großem Schnabel, einer kegelförmigen, für diesen Kopf viel zu großen und massigen Figur, bekleidet mit ausgesuchten und wunderbar gestalteten Papieren. Neben den ganzseitigen Zeichnungen fügt der Autor und Illustrator auf der Textseite kleine Bilder ein, witzige Kleinigkeiten oder Andeutungen, Anspielungen für den vorlesenden Erwachsenen, der sich auch an der Ofenforelle (bei O) oder dem Gitarrenbanjo (bei G), an der Lupinensuppe (bei L) oder dem Grunzochsen (bei G) erfreuen darf.

 

Also ein Bilderbuch für Erwachsene, für Sammler? Die werden sich ganz sicher über dieses Buch freuen. Aber ebenso sprechen Bild und Text Kinder ab ca. vier Jahre an, vor allem, wenn man das Buch gemeinsam erkundet.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en