Ulf Nilsson & Lena Ellermann:
Herz, Schmerz

Aus dem Schwedischen von Ole Könnecke
Frankfurt: Moritz 2013

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-262-2
72 S * 9,95 € * ab 05 J

 

 

 

 

Natürlich ist die Geschichte lustig und auch, was und vor allem WIE der 9–jährige Junge erzählt. Viel besser aber ist, dass sich der Autor nie lustig macht ÜBER den Jungen. Wenn Liebe schon eine ernste Sache ist, um wie viel mehr ist es dann verschmähte und unglückliche Liebe! Den liebevollen Ton des Textes nimmt die Illustratorin auf und gibt ihm ein gutes Gesicht.

Liebe, nichts als Liebe

Die Liste entlarvt ihn, und er merkt es selbst: «Man will ja wohl nicht jemanden haben ... den man ganz leicht kriegen kann». Genau das ist das Problem unseres Jungen. Hoffnungslos verliebt in Britta, die doch merken müsste, wie es um ihn steht. Stattdessen läuft sie hinter seinem Freund Bengt, was sage ich, hinter diesem Jungen, dessen Namen mit B man aus dem Wortschatz streichen müsste!, hinterher. Die wahre Liebe ist doch er, der mit ihr 3 Kinder haben möchte und einige Kaninchen! Er ist es doch, der wegen ihr sogar eine eigene Gedichtform erfunden hat, das Gegensatzgedicht («Deine warme Wange / Der Gehweg ist kalt.»)! Er ist es doch, der sogar für sie betet! Er ist es doch, dessen Gedanken sich nur um eins drehen: B r i t t a.

Liebe ist, das wird hier wieder einmal deutlich, an kein bestimmtes Alter gebunden, auch wenn Mutter meint, dass das richtige Alter zur Heirat so etwa 25 Jahre ist. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit.
Ohne sich anzubiedern, gelingt es Ulf Nilsson, den Ton eines Neunjährigen zu treffen. Und genau diesen kann man offensichtlich auch zeichnen. Die Bilder von Lena Ellermannn sind ein Beispiel dafür. Dünne Stöckerbeine haben ihre Kinder, der Jch-Erzähler hat knallrote Bäckchen und eine Kurzhaar-Frisur, die eng am Kopf anliegt und nach vorn gebürstet ist, wo die Haare über der Stirn einen kleinen Schwung nach oben machen. Trotz seiner Pein ist sein schmaler Mund meist nach oben gerichtet und weist ihn mit seiner Brille mit den kleinen ovalen Gläsern als Sympathieträger aus. Ihre Britta wird offensichtlich durch eben diese Brille betrachtet. Ein freundliches Mädchen, das man ganz bestimmt lieben MUSS. 

Ulf Nilsson zieht uns so in die Versuche hinein, aus der un- eine glückliche Liebe zu machen, dass – wie schon bei den «besten Beerdigungen der Welt» – das Ende dann ziemlich überraschend kommt.
Ein wunderbares kleines Buch mit großer Schrift und doppeltem Zeilenabstand, also sehr freundlich für Leseanfänger oder –ungeübte, mit tollen Illustrationen und einem Inhalt, der wirklich betrifft: Mehr kann man von einem Buch kaum erwarten.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en