Jules Verne & Robert Ingpen:
In 80 Tagen um die Welt

Aus dem Französischen von Maja Ueberle-Pfaff
München: Knesebeck 2012

24,95 € * ab 12 J

 

 

 

 

In einer Zeit, als die Erde noch «Welt» hieß, war das Reisen eine beschwerliche Sache. Wir schreiben das Jahr 1872, Jules Verne ist 44 Jahre alt und schreibt die Geschichte einer Wette auf. Die ist nicht nur sehr vergnüglich zu lesen, sondern auch heute noch spannend. Neu hinzugekommen sind 70 aufwendige und wunderbare Zeichnungen.

Als das Reisen noch dauerte

Wir haben zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Jean mit dem Spitznamen Passepartout hat ein aufregendes Leben mit den verschiedensten Tätigkeiten und Berufen hinter sich und er hat sich oft genug aus misslichen Situationen befreien können. Nun sehnt er sich nach Ruhe und Geregeltheit, nach einem warmen Plätzchen, keine Hektik, alles genau nach Plan.

Dann haben wir Phileas Fogg. Er ist reich, ein Muster an Präzision, Unaufgeregt- und Pünktlichkeit mit immer gleichem Tagesablauf, minutiös geplant. Er bewohnt ein großes Haus in London mit nur einem Diener, verbringt aber die meiste Zeit im Reformclub, wo er sehr in Ruhe die wichtigen Zeitungen liest und Whist spielt. Man weiß sehr wenig von ihm, aber er scheint sich in der Welt auszukennen. Aus einer Zeitungsmeldung heraus nun geschieht etwas Aufregendes, «etwas so Ernstes wie eine Wette» nämlich, und da scherzt man bekanntlichermaßen nicht. Phileas Fogg setzt ein Vermögen von 20.000 Pfund gegen Andrew Stuart, dass er nach genau 80 Tagen, am 21. Dezember 1872 vor 20:45 Uhr also, nach einer Weltumrundung wieder im Reformclub eintreffen wird.

Neben den Orten längs der Reiseroute, den vielen Abenteuern, den ungewöhnlichen Reisemitteln (neben Dampfer und Eisenbahn kommen Droschke, Elefant, Segelboot, Schlitten zum Einsatz und übrigens nicht der Heißluftballon), und den Menschen, die ein ums andere Mal den Zeitplan der Reise ins Wanken bringen, gilt Fogg auch noch als gesuchter Verbrecher, den der Kriminalinspektor Fix von Scotland Yard überführen und verhaften will. Das bedeutungsvollste Erlebnis aber haben Herr und Diener in Indien. Dort retten sie die junge Witwe Aouda vor dem Flammentod einer Satti, dem Menschenopfer aus Anlass der Verbrennung eines wichtigen Verstorbenen. Aouda wird nicht nur Begleiterin der weiteren Reise, sondern es gibt noch ein «Happy End».

 

Geschickt spielt Jules Verne mit den Spannungsbögen, vergisst neben den vielen kleinen nicht den gesamten, den er zum Schluss noch zwei Mal verschärft, bevor er wirklich ganz zum Schluss die Geschichte allseits zufriedenstellend beendet.

Sowohl das kurze Vorwort wie auch die Bemerkungen von Robert Ingpen zum Schluss lassen auch heutige Leser erahnen, welche Bedeutung diese Geschichte nicht nur in der Literatur erfahren hat.

«In 80 Tagen um die Welt» wurde 1956 von Michael Anderson verfilmt (John Farrow, David Niven), 1989 von Buzz Kulik (Peter Ustinov, Pierce Brosnan), 2004 sehr frei von Frank Coraci (Steve Coogan, Jackie Chan, Cécile de France), 1972 erschien ein Trickfilm mit Puppen, 2004 kam ein Spiel gleichen Titels auf den Markt.

 

Das Neue dieser Buchausgabe ist nicht nur, dass ein nicht gekürzter Text übersetzt und abgedruckt ist, sondern mit sehr aufwendig gezeichneten Bildern illustriert ist. Ingpens Bilder haben einen hohen Wiedererkennungswert. Seine Porträts spiegeln die Charakterzüge, häufig stellt er kleine Apparate oder Gegenstände in den Mittelpunkt: Morsetelegraph, Taschenuhr, ein paar ausgetretene Schuhe, nautische Geräte. Vieles ist in Brauntönen gehalten und gibt einen Anflug von «alt» oder «früher».

Dem folgen auch die leicht gefärbten Textseiten, auf denen der Text in relativ kleiner Schrift, dafür aber 1,5-zeilig gedruckt ist.

Für diese liebevoll gestaltete Ausgabe ist der Preis wohl angemessen, allerdings nicht nur für «Sammler» interessant. «In 80 Tagen um die Welt» hat wenig von seiner Attraktivität verloren. Nicht umsonst ist es bereits im Jahr seiner Entstehung erstmals auch ins Deutsche übersetzt worden.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en