Heinrich Hoffmann & Karsten Teich:
Die Geschichte von den schwarzen Buben – Eine Struwwelpeter-Geschichte

Rostock: Hinstorff 2013

www.hinstorff.de

ISBN 978-3-356-01575-1
24 S * 14,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Die vierte von zehn Lehrgeschichten, die unter dem Titel «Der Struwwelpeter» Generationen von Kindern «richtiges» Verhalten beibringen sollten, wird hier abgedruckt und neu illustriert – mit einem Zusatzbild zum Schluss.

Struwwel

Das Original mit den eher schlichten Illustrationen und dem stark pädagogisierenden Text wurde weltweit in mehr als 150 Jahren mehr als 30 Millionen mal verkauft. Die 100. Auflage erschien bereits 32 Jahre nach der Erstveröffentlichung. Über seinen Erfolg, den Nutzen oder den Schaden, den die Geschichten bei den 3 bis 6-jährigen Kindern, der genannten Zielgruppe also, hervorriefen, ist viel geschrieben worden.
Das Originalbuch ist vielfach kopiert, karikiert und persifliert worden. Hier haben wir eine Version, die ausschließlich eine der Geschichten zum Inhalt hat. Der Text ist wörtlich übernommen und nur leicht der heutigen Rechtschreibung angepasst worden, allerdings wurde er von ursprünglich vier auf zehn (Doppel-) Seiten verteilt.

Der Text ist natürlich herrlich «political incorrect», die Bilder von Karsten Teich greifen das auf. Der «Mohr» trägt westliche Kleidung (T-Shirt mit Kragen, kurze Hose mit Taillen-Gummizug, Slipper-Schuhe, keine Strümpfe), die Lippen sind überdimensioniert wülstig, das kurze schwarze Haar sieht geglättet aus. Teich zeichnet die drei bösen Buben ganz ähnlich, sie unterscheiden sich in den genannten Merkmalen lediglich dadurch, dass sie Strümpfe tragen (mit einem kleinen Fehler bei Wilhelms Schuhen). Ja, und durch ihre Hautfarbe natürlich.
Er gibt allen Vieren nur wenig Hintergrund, ein wenig Laub, einige Schnecken und Maden, junge Eichen. Der «große Nikolas» ist so groß, dass wir nur sein Bein bis zum Knie und von oben ins Bild ragende Hände sehen. Beim ersten Auftritt ist er ganz in Blau gehalten, die lange Hose hat eine messerscharfe Bügelfalte, der Schuh ist geschnürt. Beim zweiten Auftritt sind lediglich seine Hände zu sehen, beide in zornigem Rot. Keine Figur ist Sympathieträger. Die drei bösen Buben sind eher dümmlich gehalten, der «Mohr» aufgeweckt und neugierig, aber still, duldend und wohl ohne Bildung. Auf dem Schlussbild geht er voran, als einziger in farbiger Kleidung, die anderen drei wie geprügelte Hunde folgen ihm.

Und dann kommt danach noch ein Bild. Kein Text. Die Vier stehen links eng zusammen, von rechts kommt ein grüner Mann in brauner Kleidung. Was nun? Neues «Mobbing»-Opfer? Oder folgen die Drei plus Eins der Moral der Geschichte?

 

Sicher ist mit diesem Buch eine neue Facette entstanden. Ob es aber viele Käufer finden wird, ist eher zu bezweifeln. Desto mehr zu loben ist der Mut des Verlags.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en