Heinz Janisch & Hannes Binder:
Ich ging in Schuhen aus Gras

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2013

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0650-9
32 S * 14,95 € * ab 08 J

 

 

 

 

Sie passen nicht gut zusammen, die zunächst tollen, kontraststarken, schwarz-weißen Bilder, die so aussehen, als seien sie Holz- oder Linolschnitte, und die romantische Geschichte, die offensichtlich dem Traum eines Jungen entsprungen ist. Schade, auch weil beide nicht so gelungen sind, wie sie Janisch (eigentlich) erzählen und Binder sie (eigentlich) zeichnen kann.

Traum

Vorweg diesmal eine Kritik zum Text. Viermal direkt hintereinander benutzt Janisch ohne Not oder als stilistisches Mittel das gleiche Wort («ging»), obwohl sich andere, passender anbieten. Und – wohl um den Text als Traum stärker zu betonen – spricht er von einer Frau (einem Mann), «die meine Mutter war» («... mein Vater .. »). Der Text verlässt sich offensichtlich nicht auf die Bilder. Es hat den Anschein, als hätten sich Autor und Illustrator nicht getroffen, um ein gemeinsames Buch zu schaffen. Die Bilder ohne Text erzählen die gleiche Geschichte, allerdings besser ohne die Einschränkungen der Wörter.

Dann würden auch die Personen mit den merkwürdigen Haltungen nicht herausfallen aus der großartigen und aufwendigen Maltechnik, der Junge mit den nicht immer passenden Proportionen, der Mann mit dem rechtwinklig abgeknicktem Hals und einem Gesicht, das man eher einem bösen Menschen als einem liebevollen Vater zuordnen würde.

Die Bildergeschichte ist gut angelegt, fast wie ein Film. Der barfüßige Junge hüpft im leicht wogenden dichten Gras von einer quadratischen Platte zur nächsten, wie Kinder es oft auf dem Gehweg machen. Schnitt. Die Platten sind noch da, bilden aber jetzt die Dächer von Quadern, Hochhäuser ohne Fenster, Stelen gleich, zwischen denen das lange sich kräuselnde Band wie ein Fremdkörper schwebt, der Hauch eines Frühlings in einer schwarzen und weißen Welt. Schnitt. Zwischen weit ausladenden Bäumen, im dichten Stangenwald, in denen zwei wilde Pferde toben. Schnitt. Ein Karussell mit echten Elefanten (eine Hommage an Rainer Maria Rilke?) – es hätte wahrlich des Traumhinweises im Text nicht bedurft.

Je weiter die Geschichte fortschreitet und je näher sie sich dem Ende neigt, desto weniger «gut» werden die Bilder. Binder versucht an Hand des vorgegebenen Textes, realistisch – vor allem Personen – zu «malen», was allerdings nicht zu seinem Malstil und zu dieser Technik passt.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en