Deborah Underwood & Renata Liwska:
Das laute / leise Buch

Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
Hildesheim: Gerstenberg 2013

www.gerstenberg-verlag.de 

ISBN 978-3-8369-5414-3
32+32 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Das Buch ist von beiden Seiten lesbar, in der Mitte treffen sich «das Laut» und «das Leise» - begleitet von einigen vermenschlichten (Stoffpelz-) Tieren. Der jeweils kurze Text zählt Gelegenheiten auf, in denen es leise (oder laut) zugeht und zielt auf ein jüngeres Publikum, das wohl noch einige Zeit den – im lauten Teil – in großen Großbuchstaben gedruckten Text nicht selbst lesen kann.

Beidseitig

Interessant ist die Wahl des Papiers, denn die leisen Seiten sind matt, die lauten in Hochglanz gedruckt. Hier Geräusche schluckend, dort Lärm reflektierend, verstärkend. Richtig Lärm empfängt allerdings nur das Kaninchen / der Hase ganz zu Beginn der lauten Seite, wenn nämlich aus einem Dosentelefon das Impressum nur so heraus gebrüllt wird, dass sogar die Ohren fliegen und der steife Körper umfallen würde, wenn er sich nicht am Telefon selbst festhielte. Ansonsten eher Alltagsgeräusche: klingelnder Wecker, Singen auf dem Schulweg, Bonbonpapier im Kino, fallende Bowlingkegel. Beim Leise ist es ähnlich unspektakulär: Bilder ausmalen, Geheimnisse erzählen, Verstecken spielen, unter Wasser schwimmen, aber auch: als Letzter abgeholt werden.

Der Humor kommt nicht zu kurz. Zusammen mit den Fischen schwimmt auch eine Maus und ein kleiner Elch, das Rotkehlchen spielt Querflöte, in der Garage kommt das Regal mit dem ganzen Krempel herunter, ein Designersessel ist auf Schaukelstuhlkufen festgemacht, der Schatten an der Wand macht aus dem Kaktus das Maul eines gefährlichen Wolfes und der Fernseher stammt aus den 1950er Jahren. Viele Gegenstände oder Situationen dürften unseren Kindern zumindest fremd sein, denn hier bei uns wird kein Baseball gespielt, die Kleintribüne, die auf fast jedem Sportplatz einer Highschool steht, sieht man in Deutschland ziemlich selten, das (Tenor-)Banjo ist als Musikinstrument eher unbekannt und die Abschiedsszene aus Casablanca mit Bogart und Bergmann, dargestellt durch zwei Tiere in menschlicher Kleidung und Hüten, ist wohl doch nur etwas für die vorlesenden Großeltern.

 

Nicht recht warm werden die Kinder mit der Darstellung der Tiere, die seltsam künstlich ausschauen und auch so handeln. Die feinen Striche, die sowohl das Fell als auch das Gefieder, das Gras als auch den Schreibtischstuhl, den Geigenkasten als auch die Luftballons gestalten, bringen keine Lebendigkeit mit. Die Bilder bleiben statisch, zumeist isoliert, nur einmal transportiert das nächste Bild die Geschichte vom vorhergehenden. Drei (von fünf) Sterne.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en