Theodor Fontane & Bernd Streiter:
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Wien: Annette Betz bei Ueberreuter 2013

www.ueberreuter.de

ISBN 978-3-219-11546-8
28 S * 14,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Vor rund 125 Jahren schrieb Theodor Fontane das Gedicht, das Inhalt dieses Bilderbuches ist. Der milde und mit dem Leben zufriedene Adlige mag es, wenn er Kinder mit den Früchten des Birnbaums ein wenig glücklich machen kann, und genau so zeichnet ihn Bernd Streiter in dem großen Ohrensessel in seinem weißen Hemd, das unter der zugeknöpften roten Weste gemütlich herausschaut. Die lange weiße Tonpfeife in seiner rechten Hand ist inzwischen ausgegangen.

Birnen

Das Gedicht zeigt Elemente von der Lyrik über die Epik bis zur Dramatik. Die vier Strophen á 10 (einmal 12) Versen sind im Paarreim geschrieben und enden meist mit einem einsilbigen Wort. Der Inhalt dürfte den meisten Menschen Deutschlands bekannt sein. Er handelt vom kinderfreundlichen Adligen aus einer tatsächlich existierenden Familie aus dem Märkischen, der den Kindern gern von den Früchten seines Birnbaumes abgibt und über seinen Tod hinaus dafür sorgt, dass das auch so bleibt.

 

Die realistisch gezeichneten Bilder in nachbearbeiteter Aquarelltechnik sind im Detail sehr genau gearbeitet und bieten eine klare und saubere Umgebung an, in der selbst die weiße Schürze über dem Kleid der jungen Magd oder die kurze Hose des Ziegenhirtes rein und fleckenlos sind. Sogar die Tiere auf dem Misthaufen tragen keinen Dreck mit sich, und der Zaun strahlt in Weiß.

Besonders gelungen sind die ausgearbeitet Hände, die von oben in das Bild hineinragen, und die Ansicht eines Dompfaffs auf dem Birnbaumast. Gleichwohl sind einige Bilder seltsam leer. Große Teile sind fast ungestaltet, als wären sie noch nicht fertiggestellt. Unklar ist die Rolle der Zinnfiguren, die beim «alten» Ribbeck auf der offenen Fensterbank, bei seinem geizigen Erbsohn dagegen von außen nicht sichtbar auf dem Regalbrett stehen und zusätzlich versteckt sind, da der Fenstervorhang zugezogen ist. Unklar ist auch die Rolle der bunten kleinen Glasperlen auf dem blassgelb-weiß gestreiften Untergrund des Schmutztitels, die so gar nicht zum Tabakbeutel und der Tonpfeife passen und auch sonst keine Rolle im Gedicht oder den folgenden Bildern spielen.

 

Die aufwendige Aufmachung des Buches mit dem Leinenrücken und der goldenen Titelschrift macht sich auch im Preis bemerkbar, zu einem «Lieblingsbuch» reicht es dennoch nicht, zu uneinheitlich sind die Bemerkungen zu den Bildern.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en