Karina Schaapman:
Das Mäusehaus – Sam & Julia

fotografiert von Ton Bouwer
aus dem Niederländischen von Kristina Kreuzer
Hamburg: Ellermann im Dressler Verlag 2013

www.ellermann.de

ISBN 978-3-7707-5724-4
62 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Zwei kleine gestrickte Mäuse in einem Miniaturhaus mit mehr als 100 Zimmern erleben einige aufregende Tage. Die 17 Texte eignen sich sehr gut zum abendlichen Vorlesen, wobei genug Nähe sein muss, dass die wunderbaren Fotografien angeschaut werden können.

Miniaturgeschichten

Welch eine Fleißarbeit! Über drei Jahre hat die Niederländerin Karina Schaapman an ihrem mehr als mannshohen «Puppenhaus» gearbeitet. Sie hat Materialien, Bilder, Stoffe, Fotos aus den 1950er-Jahren gesammelt und mit Pappe und Pappmaschee Räume und Gegenstände hergestellt, wie Oma und Opa sie noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen: Waschzuber und Waschbrett, Schallplatten von Thelonious Monk, John Coltrane und King Oliver’s Jazz Band, Schuheisen und Lochstickereistoff, Kreisel und Holzbauklötze, Parfümzerstäuber und schwarzes Telefon mit Drehscheibe, Teppichklopfer und echte Weinkorken, Blechautos und eine Tipp-Kick-Figur – die Liste lässt sich leicht um Vieles verlängern.
In die Räume, die je kleiner sind als ein Schuhkarton und die zusammen ein waghalsig getürmtes Haus ohne Frontwand zeigen, in denen die vielen Treppen ein Escher’sches Labyrinth ergeben, hat Schaapman ihre gestrickten Mäuse in je eine Situation gestellt: Sams Mutter mit den neugeborenen Drillingen, seine Tante während einer Geburtstagsfeier, den Lumpensammler, Onkel Jan «, der alles kann», den tätowierten Opa Seemann.

Alle Mäuse sind – wie ihre Kleidung – aus Strickware hergestellt, Grau für die Haut, Rosa für das Innenohr, die Arme und die Beine. Die beiden Mäusekinder Sam (SUPER schüchtern) und Julia (TOTAL neugierig) bieten sich als Identifikationsfiguren an, und die vorlesenden Großeltern haben etwas, was sie ihren erstaunten Enkelkindern erzählen können, dass sie selbst nämlich auch mal so jung waren.

Die Fotokamera musste sehr nah an die Orte des Geschehens herangehen, sodass die Ränder vieler Bilder unscharf werden und zugleich den Fokus sehr deutlich hervortreten lassen. Die Geschichten sind einfach und überschaubar und spielen mit und in dem Erlebnisraum von dreijährigen Kindern, Junge und Mädchen kommen vor, ein bisschen frech und brav.
Ein schönes Buch aus einer ungewöhnlichen Idee und mit akribischem Fleiß hergestellt.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en