Ralph Erdenberger:
Geheimakte Johannes Vermeer

Illustrationen von Matthias Lehmann

München: Prestel 2011

www.prestel.de

ISBN 978-3-7913-7067-5
112 S * 16,99 € * ab 10 J

 

 

 

 

Ein Kunstdetektiv auf der Spur eines bisher unbekannten Bilds von Jan Vermeer – das ist der Ausgangspunkt, um uns die Bilder des großen Künstlers aus dem 17. Jahrhundert zu zeigen und uns auf viele Einzelheiten hinzuweisen. Sowohl die Aufmachung wie die mit großer Sorgfalt gedruckten Bilder zeigen uns ein sehr lesenswertes Buch, bei der einige Vorkenntnisse nicht von Schaden sind.

Vermeer, Delft und 38 Bilder

Anstatt eines Lesebändchens gibt es ein Lesegummi, das auch das ganze Buch zusammenhalten kann. Die Seiten sind in hellem Braun gefärbt und weisen (vorgetäuschte) Spuren von Wasserflecken auf. Scheinbar aus Ringheftblocks herausgerissene Zettel sind mit Klebestreifen eingeheftet. Neben der schwarzen Schrift gibt es auch blaue, selten rote. Die Überschriften bestehen aus gestalteten Blockbuchstaben, die 6 Kapitel sind in 2 bis 5 Unterkapitel gegliedert. Dem Text sind viele Bilder in verschiedenen Größen zugeordnet, viele zeigen Details der Gesamtansicht eines Bildes.

Der Text ist inhaltlich in Form einer kleinen Kriminalgeschichte erzählt. Er beginnt mit einem Blatt, wie man es aus Entführungs- und Erpresserbriefen kennt: Aus Zeitungen ausgeschnittene und aufgeklebte Buchstaben locken den Ich-Erzähler zu einem bestimmten Datum nach Delft. Hinter «keine Polizei» kommt noch als Unterschrift ein Initial: «HVM». Das könnte schon mal ein Hinweis sein, hat doch der Künstler selbst verschiedene Signaturen in rund die Hälfte seiner Bilder gesetzt. Für «Johannes» ein H? Denkbar.

Der Autor führt uns mehr als einmal aufs Glatteis, führt uns mal mitten hinein in ein Bild von Vermeer und seine angebliche Begegnung mit dem Briefschreiber entpuppt sich als Traum.

Das, was wir ganz nebenbei lernen über das Leben und die Bilder, einige Male als Rätsel, wird im Anhang in neun Wissenskapitel dargestellt, sodass wir auch einiges über die verwendeten Farben erfahren, über Zeitgenossen und mögliche Lehrmeister, über die derzeitigen Aufenthaltsorte der Bilder in Deutschland und im restlichen Europa. Über die Perspektivschnüre und die Verwendung der «Camera Obscura» sind wir schon vorher im Text informiert worden.

 

Auch wenn das Buch mit dem Titel «Geheimakte» und dem Stempel «streng vertraulich» versehen ist, so finden wir es umso erfreulicher, dass gerade wir von den Geheimnissen erfahren dürfen. Dass uns tatsächlich später ein Täter präsentiert wird, hatten wir gar nicht (mehr) erwartet. Die «Lösung» ist denn auch gar nicht so gelungen, aber eben auch gar nicht wichtig. Gute Idee, gut umgesetzt. So macht die Beschäftigung mit Kunst auch noch Freude.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en