Sybil Gräfin Schönfeldt & Klaus Ensikat
Die Bibel – Das Neue Testament

Berlin: Tulipan 2011

www.tulipan-verlag.de

ISBN 978-3-939944-70-6
252 S * 29,95 € * ab 12 J

 

 

 

 

Immerhin erst 400 Jahre nach der Zeitenwende hat Athanasius, Bischof von Alexandrien, eine Art Redaktionsschluss beschlossen, und den bisherigen Schriften der bekannten Bibel ein «Neues Testament» hinzugefügt, das vor allem von den synoptischen Evangelisten getragen wird. Dies Buch gliedert jedoch das NT neu nach Themen und fügt jedem nicht nur einen Kommentar hinzu, sondern auch 24 ganzseitige Bilder sowie einige Vignetten im Text hinzu.

NT

Markus schrieb als erster auf, was seit 60 Jahren von Mund zu Mund weiter gegeben wurde, und Lukas (wie Matthäus von beiden) bediente sich dieser Schrift, um die Geschichte um Jesus auch anders zu erzählen. Mittelpunkt dieser Geschichten dürfte die Bergpredigt (Matthäus) bzw. Feldpredigt (Lukas) sein, eine richtige und wichtige Zäsur und Abgrenzung zum Judentum, die hier allerdings nicht besonders hervorgehoben wird. Nur eins von 40 Kapiteln wird in der heute weniger gebräuchlich Fassung von Lukas erzählt, der offensichtlich keine didaktische Absicht hatte wie Matthäus mit seinen Antithesen.

Die Quellen werden jeweils am Ende des Kapitelabdrucks genannt. Den einzelnen Kapiteln geht immer eine Einführung, ein Vorab-Kommentar voran und relativiert den folgenden Text, der in seine Zeit und in die damals bekannte Welt und seine Glaubensvorstellung gestellt wird.
Wert wird auf das kurze Leben Jesu gelegt, auf die Wunder, seine Predigten, sein Leiden, Tod und Auferstehung, die durch ein Glossar, ein kurzes Verzeichnis der Abkürzungen sowie dem Inhaltsverzeichnis abgeschlossen werden. Wir verfolgen einen Tatsachenbericht, eine kommentierte Dokumentation, eine Kritik findet auch nicht in Ansätzen.

 

Klaus Ensikat bleibt erstaunlicherweise mit seinen akribisch gezeichneten und anschließend kolorierten Bildern ohne Nebenbemerkungen. Er schildert, gibt Bilder zu Text: Muli vor Zeder und spärlich bewachsenem Hügel, im Vordergrund der barmherzige Samariter, bewegtes Meer mit ängstlichen Ruderern, die in das Bild mit den wilden Wogen hineinkommen und knapp neben Jesus, der auf den Wellen mit leicht erhobenen Armen steht, hinein rudern.

 

Leider geben weder Bild noch Text Hinweise auf «orientalische Erzählweise». Leider wird nicht deutlich erwähnt, dass auch das «Neue Testament» auf ein Hörensagen vom Hörensagen beruht und der Interpretation bedarf. Dagegen muss positiv erwähnt werden, dass die jeweiligen Vorworte zwar keine «Kommentare» sind, aber die folgenden nacherzählten Texte in einen geschichtlichen Kontext stellen. Das ist viel mehr, als man in den meisten Bibelveröffentlichungen findet.

 

Trotz einiger Kritik ist dies Buch eine sehr gute Ergänzung zur Luther-Übersetzung und ein gutes Zwischenstadium zur «Grünen Bibel»(, die ohne Kommentare und ohne Bilder auskommt, dafür aber oft langatmig ist).

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en