Marianne Hofmann & Reinhard Michl:
Die kleine Birke

München: Hanser 2011

www.hanser-literaturverlage.de

ISBN 978-3-446-23786-5
48 S * 12,90 € * ab 05 J

 

 

 

 

Der alte Baum (Buche) erklärt dem jungen Baum (Birke) das Leben im Ablauf eines Jahrkreises. Die Baumarten sind für die Geschichte in Deutschland gut gewählt, war vor 2000 Jahren doch ganz Deutschland mit Eichen und Buchen bedeckt und die Birke ein relativ junger Besiedler. Das Buch ist sehr textlastig, die Dialoge sind die eines sehr wissbegierigen Kindes und eines altersweisen Lehrers.

Nicht Fisch nicht Fleisch

Selbstverständlich sind die realitätsgetreuen Bilder von Reinhard Michl mehr als nur einen Blick wert. Seine Insekten, die kleinen Tiere und die Vogelflugstudien sind echte Hingucker. Da der Raum jedoch immer der gleiche bleibt (die Birke möchte so gern fliegen können) und der Text sehr viel Platz beansprucht, bleibt für Innovation in den Bildern wenig Gelegenheit. Die bietet sich am Schluss, wenn noch einmal 17 Tiere in Form einer Sachbuchinformation gezeigt und mit wenigen Zeilen beschrieben werden.

 

Marianne Hofmann versucht möglichst viele und unterschiedliche Informationen unterzubringen. Sie beschreibt den Ablauf eines Jahres in einem kleinen Kosmos, gleichzeitig aber auch das Zusammenleben der Tier- und der Pflanzenwelt und einige Einzelschicksale. Dabei übernimmt sie sich. Eine Reduktion auf Weniges hätte dem Buch gut getan, das so aber weder als Sachbuch dienen kann noch als Bilderbuch. Damit schwimmt auch eine zu empfehlende Altersgrenze: für die einen viel zu viel Text und dafür zu wenig Bild, für die anderen viel zu wenig Struktur und zu viel «Pädagogisches».

Und dabei bietet sie noch einen völlig falschen Raum: Eine zarte Birke mit fünf kleinen Seitenzweigen und zwölf Blättern wird wenig Chancen haben, sich in einer derartigen Nähe einer ausgewachsenen Buche nach oben zu entwickeln. Bald schon wird ihr das Licht fehlen und das Wasser. Und dann? Ganz zu schweigen von den Rehen, die gern frisches Grün verbeißen – aber auch die dürfen die Birke im Buch gar nicht wahrnehmen …

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en