Peer Meter & Isabel Kreitz:
Haarmann

Graphic Novel

Hamburg: Carlsen 2011

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-79107-8
176 S * 19,90 € * ab 10 J

 

 

 

 

Das lustige Lied «In Hannover an der Leine» erinnert an einen der schaurigsten Verbrecher zwischen 1918 und 1924. Die Graphic Novel beginnt mit der Trockenlegung des Leineflusses in Hannover und der Ausgrabung von menschlichen Knochen. Die Folgebilder ohne Text verlieren sich in Hinterhöfen und Nebeneingängen und wir sind plötzlich in der Stube bei einem homosexuellen Pärchen, werden hineingezogen in das Leben des Fleischers Fritz Haarmann.

Massenmörder

Vor- und Nachsatz des Buches sind mit grau gedruckter Schrift ausgefüllt: 23 Namen (junger) Männer, seit dem … vermisst, kurze Information, welches Kleidungsstück oder Schlüsselbund bei Haarmann gefunden wurde. Wir wissen also Bescheid, die Nachbarn aber vermuten nur, wollen wohl Fleisch, das in Hannover knapp ist, wissen aber, dass damit irgendetwas nicht stimmt: «Ihr Fleisch ist mir nicht kommod» sagt die Vermieterin – und kündigen will sie ihm die Wohnung auch, weil ein ewiges Kommen und Gehen ist und das Klo letztens schon wieder verstopft war.

Wir geraten in eine bitterarme Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, wo die Polizei gegenüber den (berechtigten) Verdächtigungen der Nachbarn und der Putzfrauen taub ist und nicht wissen will, dass der Haarmann «krumme Dinger» dreht, ist dieser doch ein Spitzel der Polizei mit Polizeiausweis. Viele halten ihn wegen seiner häufigen Besuche bei der Polizei für einen «Kriminal», also ein Polizist in Zivil.
Ein achtseitiger Nachsatz gibt einen historischen Überblick und lässt die Bildergeschichte noch entsetzlicher wirken, erzählt sie uns doch nichts Ausgedachtes, sondern tatsächliche Morde.

 

Drei mal zwei Bilder zeigt jede Seite, oft mit einem Doppelbild mal oben, mal unten. Die Größe ist je etwas unterschiedlich, sodass die schmalen hellen Rahmen kein gerades Gitter ergeben. Die Sprechblasen mit je möglichst wenig Text sind oval und deutlich größer als der instehende Text und überschreiten oftmals den Rahmen der Bilder. Diese sind realistisch und detailgetreu mit Bleistift gezeichnet, düster in ihrer Ausgestaltung, mit unterschiedlichen Perspektiven und harten Schlagschatten. Auch hier wendet sich die Graphic Novel dem Film zu, macht Sprünge, zoomt hinein oder heraus, bleibt aber zumeist in der Halbtotalen und wagt (leider nur selten) die Schwünge, die uns zu Beginn so stark hineinsaugen in eine Zeit vor etwa 100 Jahren.

 

Die Graphic Novel ist ein sehr gutes Medium, um auch lesefaule Kinder zum Text zu führen. Je kürzer dieser ist, desto schneller wird erlesen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en