Charles Dickens:
Ein Weihnachtsmärchen

Illustrationen von Lisbeth Zwerger
Aus dem Englischen von Carl Kolb

Zürich: NordSüd 2011

www.nord-sued.com

ISBN 978-3-314-10051-2
107 S * 22,95 € * ab 10 J

 

 

 

 

Dies ist die Geschichte der Wandlung eines höchst unbeliebten und geizigen Menschen in einen zufriedenen und hilfsbereiten, weil ihm der Geist seines verstorbenen Kompagnons sowie drei Geister einen Spiegel vorhielten und ihm zeigten, was ihn erwarte, wenn er in seiner Verbohrtheit verharren sollte.

Lisbeth Zwerger steuert dieser Geschichte 17 wunderbare ganzseitige Bilder bei.

«Gott segne uns alle und jeden besonders»

Ebenezer Scrooge ist ein alter hartherziger Händler und Geldwechsler, dem nicht einmal die Zunahme seines Reichtums Freude bereitet. Sein Partner Jakob Marley, der ihm in nichts nachstand, starb vor sieben Jahren just zur Weihnachtszeit. Nun erscheint er ihm als Geist, der schwer an seinen Ketten trägt, die er in seinem Leben durch seinen schlachten Charakter selbst geschmiedet hat, muss Buße tun und ruhelos in der Welt umherwandern. Damit Scrooge nicht ebenso endet, wird ihm Marley drei Geister aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft schicken.

Die Geister nehmen nacheinander den Selbstsüchtigen an der Hand und besuchen unerkannt seine Kindheit, seine kleine Schwester Fanny und den Ort seiner Lehrer beim alten Fezziwig sowie seine nicht von ihm geheiratete Freundin Bella und deren jetzige Familie. Alte Sehnsüchte und Fantasien tauchen auf, die beim Besuch des Geistes der diesjährigen Weihnacht verstärkt werden, zeigt er doch die «Taten der Leidenschaft, des Stolzes, der Bosheit, des Hasses, des Neids, der Heuchelei und der Selbstsucht» auf. Mit den Worten seines Neffen erkennt der alte Mann: «Wer leidet unter seinen Launen? Immer er selbst!» Er beschließt bereits jetzt, sein Leben fortan zu ändern, doch noch steht der Besuch des dritten Geistes aus, und der spricht nicht mit ihm und ist ganz in Schwarz gekleidet.

 

Lisbeth Zwerger zeichnet diesen übermächtig groß mit ganz langer und spitzer Kapuze gegen den schlotternden Mr. Scrooge in seinen Hauspantoffeln, seiner Nachtmütze und dem dünnen Morgenrock vor dem Tor zur Kirche mit dem kleinen Friedhof davor. Ihre Bilder sind nicht überfrachtet, nehmen einen kleinen Teil der Geschichte und geben ihm Gestalt: Scrooge in seinem Bett, das von Vorhängen umgebenen ist. Eine Hand zieht eine Öffnung in seine kleine Höhle und ihn hinaus. Die Welt, in die ihn die Geister ziehen, ist eine fröhliche. Dort wird trotz Armut und Sorgen getanzt und gelacht, wir Schabernack getrieben, der kleine «Tiny Tim» mit seiner Beinschiene und Krücke umhergetragen, wird sich versteckt und Blinde Kuh gespielt. Trotz aller Armut und den kargen Räumlichkeiten ist die Festkleidung der Biedermeiermode sauber und gepflegt.

 

Sei zum Schluss noch bemerkt, dass die Geschichte gut ausgeht, es ist schließlich eine für Weihnachten, und da wollen wir schon ein «Happy End» sehen. Insgesamt könnte sie deutlich gekürzt werden, damit die Botschaft noch pointierter und konzentrierter ankäme und ein «richtiges» Bilderbuch entstünde.

 

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en