Willy Puchners Welt der Farben

St Pölten Salzburg: Nilpferd in Residenz 2011

www.residenzverlag.at

ISBN 978-3-7017-2081-1
36 S * 19,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die einen fotografieren oder filmen, andere schreiben Tagebuch oder Gedichte, noch andere merken sich Gerüche oder Geräusche, für Willy Puchner sind es vor allem die Farben, die er festhalten will nach einer Reise, die sich wieder finden in Bildfragmenten und ergänzt werden von Texten, eigenen wie passenden Zitaten. Sehr interessant und zum Nachahmen empfohlen.

Polarweiß

Nachdem ein Bild fertiggestellt ist, ist es so, «als wäre ich ein Stück weit übers Meer gefahren oder als hätte ich einen Tunnel durchquert. Dann reise ich weiter zum nächsten Bild». Abgeschlossen sind die Bilder, nicht abgehakt, immer noch da, aber jetzt im Hintergrund, damit Platz ist für das Neue, in das vielleicht wieder die «eine oder andere Narretei … einfließt»: ‚Ich werde auch mal ein saftiges Steak’, sagt das kleine Kälbchen unten auf der Seite über Argentinien und zu Wien zitiert Puchner Fritz Molden: «In Wien hat sich seit hundert Jahren nichts verändert, nur der Kaiser kommt nicht mehr.»

Das schönste an den Bildern aber sind die Farbpaletten mit ihren ganz individuellen Namen und ihren verlaufenden Farben, sodass nicht ein Farbton kreiert wurde, sondern eine Farbstimmung. In Wien tragen sie die Namen von in Wien geborenen Personen (Popper-Schwarz und Freud-Grau, Wittgenstein-Gelb und Adler-Blau), die je woanders starben, auch für Venedig und Paris, für Frankfurt und New York, fallen ihm Personen ein. Zu exotischen Orten wählt er Berggipfelnamen, die Namen von Ureinwohnern (Zulu-Grau, Kiribati-Schwarz, Hindi-Gelb) oder Papageien. Selten gibt es kein einheitliches Kriterium (Horn-Gelb, Farn-Grün, Buchdrucker-Braun, Winter-Weiß, Eulen-Grau), aber ungewöhnlich sind alle Namen.

Noch ungewöhnlicher sind die Farbkarten dazu, oft rechteckig mit gerundeten Ecken und immer verlaufend von Dunkel nach Hell, von Kräftig nach Schwach, von Grün nach Gelb, von Rotbraun nach Schmutziggelb.

 

Im Vorwort schreibt Puchner: «Oft sind es Kleinigkeiten, große Kindergedanken, die ich einfach zulasse, in der Hoffnung, dass irgendwo andere Menschen sind, die in meiner Welt ihren Platz finden werden.» Ob man selbst zu diesen anderen Menschen gehört, muss man ausprobieren. Falls nicht, so bleibt immer noch die Möglichkeit, sich seine eigene Welt zu schaffen, so wie Puchner es anregt.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en