Gisela Kalow:
Ratte Remmer

Oberursel: Kuse 2011

www.kuse-verlag.de

ISBN 978-3-9807616-3-5
2 CDs * 17,50 € * ab 08 J

 

 

 

 

Die erfundene Ratte Remmer ist Schlosserklärerlehrling im tatsächlich existierenden Schloss zu Jever. Ihm zur Seite als Hilfe und / oder Aufsicht ist die Fledermaus, die Krähe, die Eule und – seit Generationen im Schloss – die Schildkröte. Gisela Kalow ist Erfinderin der Figuren, schrieb den Text und erzählt ihn selbst mit verteilten Rollen auf den beiden CDs.

Nachts im Schloss

Mit dem Selberlesen ist Remmer leider noch nicht weit gekommen, also braucht er Vorleser. Aber weder Eule Sophus noch Krähe Jacob haben Zeit genug, ihm vorzulesen, und die Schildkröte lebt wohl eher immer noch im 16. Jahrhundert, als Jever noch Hafenstadt war und das Meer mit seinen Sturmfluten bedrohte. Das war die Zeit von Fräulein Maria, bei der die Schildkröte immer ins Schwärmen gerät. Die Krähe empfiehlt Remmer, die Bilder ordentlich und ganz genau anzusehen, dann würden sie zu ihm sprechen.

Eigentlich wollte der Linkspföter Remmer doch lieber Pirat werden, aber wer einen Enterhaken mit einem Entenhaken aus dem Schlosspark verwechselt, sollte vielleicht doch besser weitermachen mit seiner Bildung.

 

Gisela Kalow spricht ihre selbst geschriebene Geschichte. Sie bleibt dabei in den tatsächlich existierenden Räumlichkeiten des Jeverschen Schlosses, spricht langsam und sehr sorgfältig, verändert ihre Stimmlage bei wörtlicher Rede und lässt die Eulensprache mit viel Hall hinterlegen. Sie spricht in elaboriertem Hochdeutsch («… Remmers dankbare Zustimmung voraussetzend … in das 15. Jahrhundert zu datieren … den die barocke Zwiebelhaube krönt …») und lässt allein die Krähe plattdeutsch sprechen. Hier misstraut sie leider den Zuhörern und ‚übersetzt‘ jeden so gesprochenen Satz, wo vielleicht nur eine Vokabel einer Erklärung bedarf. Anstatt einer ganzen Übersetzung wäre «De arm Kel (?), [Anmerkung: jetzt in sachlicher Sprache, sozusagen ‚nebenbei‘ dem zuhörenden Kind zugewandt] also der arme Kerl, is all över … Johr tot …» vielleicht besser.

Die Idee, auf der zweiten CD einen der fünf Gestalten der Nacht verschwinden zu lassen ist deswegen sehr geschickt, weil die anderen jetzt noch einmal in den Räumen des Schlosses suchen können, Einzelheiten nennen, bereits Besprochenes noch einmal Revue passieren zu lassen.

 

Die gute Idee, ein regionales Museum zum Schauplatz (gestrichen: eines Buches) (gestrichen: einer) von zwei gesprochenen CDs zu machen, ist gelungen. Gisela Kalows Erfindung der Figuren und ihre Verbindung zum Schloss beschreibt sie kurz im Booklet, wo sie auch auf drei andere Bücher aus dem Kuseverlag hinweist. Wir verweisen hier auf die Autoren im www.julim-journal.de.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en