Peter Goodfellow:
Gefiederte Architekten

Die Kunst des Nestbaus im Vogelreich

aus dem Englischen von Susanne Warmuth

Bern: Haupt 2011

www.haupt.ch

ISBN 978-3-258-07671-3
160 S * 29,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

So viel Muße hat kaum ein Mensch, um einen unermüdlichen Vogel während der gesamten Zeit des Nestbaus zu beobachten. Vor dem fertigen Nest, das der Sturm aus dem Baum schüttelte, kann man nur staunen und sich fragen, welche Ahnung vom Bau der Vogel haben kann. Sind wir schon von einem einfachen Nest fasziniert, dann lehrt uns dies Buch, dass es noch ganz anders geht. Jetzt darf uns der Mund offen stehen bleiben – vom Inhalt, aber auch von der Art der Präsentation.

Nestwärme

Nestmulden, Höhlen und Röhren, Plattform- und schwimmende Nester, Nester in Napfform und solche als Kugel, Nester aus Lehm, hängende, gewebte und genähte Nester, allein oder im Haufen, in einer Kolonie oder sogar in der Gemeinschaft, Nester in Form einer Laube und sogar solche, die aus Speichel gebaut und somit essbar sind. Die Vielfalt ist enorm und zumeist dem normalen Menschen unbekannt. So ist dies Buch auch eher angelegt als wissenschaftliche Erweiterung des Horizonts für den interessierten Laien und den Leistungskursschüler für Biologie und/oder für seinen Lehrer.

Wir lernen, dass die Balz und der Nestbau in engem Zusammenhang stehen, um zu beeindrucken, um einen Repräsentationsbau zu zeigen samt Hinführung in diesen in der passenden Umgebung, der  a u c h  die Sicherheit für Ei und Küken anbietet. Nicht ganz unwesentlich im Tier- wie auch im Menschenreich.

Jedes der zwölf Kapitel beansprucht zehn bis vierzehn Seiten, die ebenso viele Text- wie Bildinformationen liefern: gezeichnet, als Foto im Kreis eingefügt, mit Pfeilen versehen, im Detail vermessen und in der Struktur beschrieben.

 

Die Detailgenauigkeit – auch in Entwicklungsphasen – beeindruckt, dazu solche Bemerkungen wie: «Seide und Moos haften aneinander», die erklären, warum die Klettverschlusstechnik der Schwanzmeisen letztlich funktioniert. Zuvor braucht das Tier «3000 Flechtenflocken, über 600 Eikokons von Spinnen, 200 bis 300 Moosteilchen und etwa 1500 Federn», 9 bis 14 Tage für die äußere Hülle und ebenso viel Zeit für die innere Verkleidung. Eine sehr anschauliche Verbindung von Foto, Skizze und Bild erläutert den Text, wobei das eine ohne das andere viel weniger verständlich wird.

 

Wenn der Untertitel von der «Kunst» des Nestbaus spricht, so ist natürlich die Kunst der Handwerker gemeint, aber die ist hier so, wie zu Beginn beschrieben.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en